Cancel Cultur

Veröffentlicht in: Glosse der Woche | 1

Montag, 8. März 2021

Nun hat es auch ihn erwischt und wir hier unten wissen gar nicht, ob wir deshalb lachen oder weinen sollen: Wolfgang Thierse, laut Wikipedia führender Ost-SPD-Politiker, DDR-Bürgerrechtler, bekennender Katholik und Bartträger sowie Schirmherr der Amadeo-Antonio-Stiftung, ist ein weiteres Opfer der Cancel-Culture geworden. Das „SPD-Urgestein“ hat, wie die Frankfurter Allgemeine und der übrige Blätterwald der BRD berichteten, einige Fragen hinsichtlich der aus den Fugen gleitenden Debattenkultur seit „Ausbruch“ der Coronakrise gestellt. Ein anderes Urgestein der bundesdeutschen Politik, Klaus Karl Anton von Dohnanyi, Sohn des hingerichteten Widerstandskämpfers gegen das Hitlerregime, Hans von Dohnanyi, gab ihm Rückendeckung.

Es ist fraglich, ob die Millionen Deutschen, die derzeit in den Corona-Lockdown gezwungen sind, irgendeine Vorstellung vom Widerstand gegen die National-Sozialisten, vom Widerstand gegen die DDR-Sozialisten oder vom Widerstand gegen die Merkel-Progressisten haben. Es ist auch eher unwahrscheinlich, dass sie sich dafür interessieren, ob die Black-Lives-Matter-Bewegung BLM, die Genderisten, Extinction Rebellions oder Klaus Schwab die Welt vor ihrem kurz bevorstehenden Untergang retten und eine schöne neue aufbauen werden – sie wollen mit ihren Familien lediglich ungestört in Frieden und Wohlstand weiterleben…

Wolfgang Thierse hat die Ideologie jener Weltverbesserer lange Zeit mitgetragen, die Stasi-IM Anette Kahane gedeckt und die Mär vom zunehmenden Rechtsradikalismus und Antisemitismus in führender Funktion verbreitet. Nun musste er, wie viele wohlmeinende Mitläufer des neuen Establishments, die Notbremse ziehen. Die Geister, die er rief… Ganz offensichtlich ist ihm in diesem Strudel des kollektiven Wahnsinns ein Rest normalen Menschenverstandes verblieben.

Wir hier unten fragen uns, ob derlei Sinneswandel von ihm und einer ganzen Reihe anderer Zeitgenossen nicht etwas spät kommt. Denn diese Cancel-Culture cancelt seit geraumer Zeit so gut wie alles, was uns an kulturellem Erbe in unserer smarten Digitalzeit an Sprache, Musik, Literatur, Sport, Vereinsleben, politischem Disput, Weltoffenheit, Freizeitbeschäftigung, sozialer Nähe, ja sogar an frischer Luft zur Stärkung unseres Immsystems übrig geblieben ist: Alles, was nicht in die Gesinnungsdiktatur der modernen Kanzlerinnenpolitik passt, wird neuerdings gnadenlos niedergecancelt.

„Canceln“ nicht nur als Tilgen, Streichen, Löschen jedes bürgerlichen common sense, sondern auch als Einzäunen, Einschränken, Vergittern alles sozialen Lebens. „Canceln“ nicht nur als Widerrufen, Streichen, Absetzen, Zurücknehmen, Abrücken oder Zurücktreten von allem, was uns als Kulturrest nach zwei verheerenden Kriegen und fast achtzig Jahren Umerziehung geblieben ist, sondern auch als Eingrenzung der Wenigen, die es noch wagen, den derzeitigen politischen Irrsinnsweg in Frage zu stellen.

Vielleicht dürfen wir hier unten hoffen, dass ein so „verdienstvoller“ Sozialdemokrat wie Wolfgang Thierse nun seinen linken christ-sozialistischen Pfad verlässt und in die Reihen des Zentrums der freiheitlich-bürgerlichen Deutschen eintritt. Denn der Weg in den „demokratischen“ grünen Sozialismus, der nach dem Willen der Eskens, Borjans, Kühnerts, Merkels, Söders, Spahns, Habecks, Baerbocks, Rammelows und ihrer Freunde seit einiger Zeit eingeschlagen worden ist, führt geradewegs in die Knechtschaft.

Das wusste bereits Friedrich August von Hayek. Und zwar schon 1945, als sein Buch „Der Weg in die Knechtschaft“ erschien, das er den Sozialisten in allen Parteien gewidmet hat.

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