Wahrnehmungsmanagement

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Dienstag, 15. Februar 2022

Seit Gustave le Bons Thriller „Psychologie der Massen“ – geschrieben 1895 und seitdem weiterentwickelt von Myriaden gut bezahlter Psychologen und Marketingmanager – weiß der belesene Zeitgenosse, dass die menschliche Wahrnehmung der Wirklichkeit mit der objektiven Realität nicht unbedingt etwas gemein haben muss.

Ganz grundsätzlich fängt unsere Spezies die Signale ihrer Umwelt in einem mittleren Frequenzbereich auf: Licht, Schall, Temperatur, Information usw. werden in unserem Gehirn in speziell begrenzten Wellenbereichen aufgenommen. Andere Gruppen von Lebewesen haben diesbezüglich andere Möglichkeiten. Man denke an das Hörvermögen der Hunde, das Sehvermögen der Raubvögel oder den Geruchssinn von Schweinen. In gewissem Umfang ist es allerdings gelungen, mithilfe der Technik viele uns nicht direkt wahrnehmbare Wellenbereiche nutzbringend zu transformieren; so z.B. die Radiowellen.

Die Beschränkung unserer Erkenntnisfähigkeit hängt eng mit der Begrenzung unserer Wahrnehmungsfähigkeit zusammen – und mit unserer geistigen Leistungsfähigkeit. Hinzu kommt, dass Informationsinhalt und Informationsgehalt unserer Wahrnehmungen sowohl von subjektiv ererbten Fähigkeiten als auch von geografischen, kulturellen oder anerzogenen Vorprägungen und schließlich sogar von unserem jeweiligen Wollen und Können abhängen. Ausgestattet mit diesem Wissen leuchtet es ein, dass wir dringend eines Wahrnehmungsmanagements bedürfen.

Schauen wir uns insofern z.B. die Eröffnungsrede des deutschen Juristen und Sportfunktionärs Thomas Bach, welcher seit 2013 Präsident des Internationalen Olympischen Komitees ist, zu den 24. Olympischen Winterspielen in Peking an: Wir hier unten empfanden sie entsprechend unseres individuellen Informations-Vorfilters als völkerverbindend, friedfertig und zukunftsweisend. Die ÖRR-Korrespondenten Nils Kaben und Ulf Röller nahmen sie hingegen als nichtssagend, devot und irreführend wahr. Mit ihren progressiven Kommentaren haben sie uns somit geholfen, die Geschehnisse während der Eröffnungsfeier in Peking einzig richtig wahrzunehmen.

Gustave le Bon würde staunen, denn an diese unglaublichen Möglichkeiten des Wahrnehmungsmanagements hatte er damals noch nicht gedacht.