Messias

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Aus gegebenem Anlass am 25. April 2017: Er ist wieder da!

Freitag, 03. Dezember 2011

So wie die ganze Christenheit auf Erden und angeblich 49 Prozent der Deutschen, warteten auch wir im Advent des Jahres 2011 wie jedes Jahr auf die Ankunft des Messias am 24. Dezember. Angesichts des von GOTT, oder von einem kosmischen Schicksal, oder von uns Menschen hergestellten Desasters, das von manchen vornehm als Gerechtigkeitslücke, von anderen als Höchstform der Ausbeutung des Menschen durch den Menschen und von den Medien derzeit als Finanzmarktkrise beschriebenen Zustandes der globalen Gemeinschaft des homo sapiens auf dieser Welt, ist diese allgemeine, bei den Christen schon speziellere und bei den politisch Frustrierten aktuell ganz reale Hoffnung nur allzu verständlich.

Und just in diesen vorweihnachtlichen Wochen hat nun wenigstens für uns Deutsche ein wirklicher Messias seine politische Wiederkunft angemeldet, euphorisch begleitet vom Chefredakteur einer bis dahin angesehenen Wochenzeitschrift und dem ganzen Pulk der transatlantisch-kapitalistischen Einheitspresse: Karl Theodor Maria Nikolaus Johann Jacob Philipp Franz Joseph Sylvester Freiherr von und zu Guttenberg grüßt Deutschland über den Atlantik mit seinem Aufklärungswerk: „Vorerst gescheitert“ und testet damit die Stimmung. In diesem Opus tut er das, was wir hier unten bereits seit Jahren machen: Die politische Klasse und Apologeten der globalen „Kapitalinvestoren“ schonungslos zu glossieren, ihre vermeintliche politische Unfähigkeit und Willenlosigkeit zu geißeln und auch sonst nur zu motzen, zu meckern und zu murren.

Während wir hier unten aber zu wenig Sendungsbewusstsein und auch zu wenig Ahnung haben, um Angela Merkel, Wolfgang Schäuble oder auch Karl Ernst Thomas de Maizière, dem Amtsnachfolger KT´s im Verteidigungsministerium, wirksame Ratschläge erteilen zu wollen, wie sie uns aus dem Griff des internationalen Großkapitals befreien könnten, weiß der Freiherr genau, wie dies zu bewerkstelligen ist. Und deshalb möchte auch die Hälfte der Deutschen, dass er wenigstens deutscher Kanzler wird, wenn nicht lieber gar deutscher Kaiser, was bei seiner Herkunft und seinem Dünkel ja ganz naheliegend wäre. Wie in unseren tiefgreifenden Analysen gang und gäbe, prognostizieren wir diesbezüglich, dass zu Guttenberg alsbald in die Reihen seiner politischen Freunde von der CSU zurückkehren wird, egal, wie böse er sie in seinem Buch geschmäht hat. Denn sie haben ja keinen anderen, der die transatlantischen Ziele ihrer Kumpane mit derartigem Charisma zu verkaufen in der Lage ist. Felix Krull war dagegen ein Waisenknabe.

Über all diesem Theater mag die europäische und deutsche Bevölkerung gut und gern vergessen, dass sie wieder einmal vor einem wirtschaftlichen Abgrund steht, dass sich der „Arabische Frühling“ in Ägypten und in weiteren Ländern des Nahen Ostens gerade in eine mittelalterliche Renaissance des Islam verwandelt und dass die westliche Kriegsallianz dabei ist, ihre wichtigsten verbündeten Machthaber in Pakistan und in Afghanistan zu verlieren.

Muss man da ein großer Messias sein, um den nächsten Krieg vorhersagen zu können? Im Iran entwickeln sich gute Gründe für den Westen, um in der islamischen Welt das nächste Chaos anzurichten zu können. Die „Westdämmerung“ wird auf diese Weise aber keineswegs zu verhindern sein.