Von der Schwierigkeit, ein deutscher Patriot zu sein

Eingetragen bei: Glosse der Woche | 0

Donnerstag, 28. Juni 2018

„Es gibt kein gutmütigeres, aber auch kein leichtgläubigeres Volk als das deutsche. Zwiespalt brauchte ich unter ihnen nie zu säen. Ich brauchte nur meine Netze auszuspannen, dann liefen sie wie ein scheues Wild hinein. Untereinander haben sie sich gewürgt, und sie meinten ihre Pflicht zu tun. Törichter ist kein anderes Volk auf Erden. Keine Lüge kann grob genug ersonnen werden: Die Deutschen glauben sie. Um eine Parole, die man ihnen gab, verfolgten sie ihre Landsleute mit größerer Erbitterung als ihre wirklichen Feinde.“

Dieses vernichtende Zitat wird dem Kaiser der Franzosen Napoleon Buonaparte zugesprochen. Beweisen lässt sich dies nicht und die Wahrscheinlichkeit, dass der kleine korsische Massenmörder Anfang des 19. Jahrhunderts so etwas gesagt hat, ist eher gering. Dies um so mehr, da auch zur Zeit des großen Russlandfeldzuges der Franzosen ein einiges Deutschland eher eine ferne Utopie war und man es heute noch als ein Wunder ansehen kann, dass es Bismarck dennoch gelang, aus 42 deutschen Kleinstaaten eine Art Deutsche Nation zu schmieden. Wir hier unten sind von dieser Charakterisierung des „Deutschen Michels“ dennoch fasziniert, entdecken wir doch derlei Züge des „deutschen Wesens“ im Auf und Ab der Geschichte immer wieder und in der heutigen Zeit erneut ganz besonders.

Die anderen Eigenschaften der Deutschen, die in aller Welt so beliebt und trotz aller Vielfältigkeit der Gesellschaft offenbar irgendwie in den Genen unseres Volkes verankert sind, haben interessierte Kreise oftmals als Sekundärtugenden bezeichnet, ohne zu verstehen, dass gerade diese die Grundlagen der deutschen Wirtschaftswunder nach der Reichsgründung 1871 und nach den beiden verlorenen Großkriegen des 20. Jahrhunderts waren und auch heute noch sind: Fleiß, Pünktlichkeit, Ordnungssinn, Zuverlässigkeit, Genauigkeit, Erfindungsgeist, Ausdauer, zum Beispiel. Ohne diese Eigenschaften wäre unser Land nicht das, was es heute auch wieder ist und die Europäische Union besäße mit ihm nicht ihren wichtigsten Goldesel.

Betrachtet man allerdings alle deutschen Politführungscliquen seit Otto von Bismarcks Abdankung, dann ist man, wie seinerzeit Heinrich Heine, um den Schlaf gebracht: Der deutsche Michel ist offenbar politikunfähig! Anscheinend ist dies seine bei allen Verschiedenheiten übergreifende Eigenschaft! Wie anders ließe es sich sonst erklären, dass Anführer wie Wilhelm II., Adolf Hitler oder Angela Merkel es geschafft haben, das deutsche Volk immer wieder an den Abgrund zu locken? Die geschichtlichen Erfahrungen aller Bayern, Schwaben, Franken, Preußen, Friesen, Thüringer, Mecklenburger, Ober-, Nieder- und anhaltinischen Sachsen, um nur mal einige deutsche Volksstämme zu nennen, hätten doch längst zu höherer politischer Reife unseres Volkes führen müssen!

Nun rufen in Deutschland nicht wenige wieder zu nationaler Einheit und Patriotismus auf – wie einst auf dem Hambacher Schloss im Jahre 1832. Zu Zeiten von Fußballweltmeisterschaften branden zudem regelmäßig merkwürdige Nationalismen und Chauvinismen auf, was beweist, dass die Mehrheit der Deutschen Patriotismus davon nicht unterscheiden kann. Da wird das Absingen der Nationalhymne sogar kurzzeitig zum Lackmustest für die eingedeutschten, mit mehrfacher Staatsbürgerschaft behafteten, Nationalkicker.

Die Menge der Deutschlandhasser hingegen will erreichen, dass der Deutsche Michel mit seinen schlechten und guten Eigenschaften endgültig im Orkus der Geschichte verschwindet. Angelsächsischer Hedonismus, linksgrüner Meinunsgfaschismus und islamischer Fatalismus haben die nationale Identität der Deutschen immerhin schon so weit zerstört, dass es fraglich ist, ob die heutigen Binnendeutschen diesen Verlust wiederherstellen können.

Wir hier unten müssen konstatieren, dass sich seit Heinrich Heines „Wintermärchen“ in Deutschland nichts geändert hat und trauern zusammen mit ihm über die Schwierigkeit, ein deutscher Patriot zu sein.

PS: Fußballweltmeisterschaft 2018 : „Die Mannschaft“ hat fertig – wars Merkel oder wars Putin?

Dazu ist auch dieser Artikel von Peter Haisenko lesenswert!