Olympia

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Mittwoch, 28. Februar 2018

„Olympia“ ist ein beliebter weiblicher Vorname. Er stammt aus dem Griechischen und bedeutet „vom Olymp“, dem lichten Sitz der Götter, kommend; oder auch frei übersetzt „die Himmlische“. Dieser Name erhielt große Aufmerksamkeit im 19. Jahrhundert, als der französische Maler Eduard Manet 1863 sein Werk „Olympia“ vorstellte. Das Porträt der Dame Olympia sorgte damals für einen Skandal, weniger wegen deren Nacktheit, als aufgrund ihrer Selbstbewusstheit und ihrem direkten Blick auf den Betrachter. Das Bild gilt vielen Kunst- und sonstigen Historikern als Begründung der Moderne und als früher Ausdruck der emanzipierten Frau.

Olympia ist aber auch der Name des berühmten Heiligtums des griechischen Obergottes Zeus auf der Halbinsel Peloponnes. In dessen Nähe fanden in der Antike aller vier Jahre die Olympischen Spiele als Bestandteil der so genannten Panhellenischen Spiele statt. Nach neuer Zeitrechnung sollen dort Olympische Spiele von 776 v. Chr. bis 393 n. Chr., also über 600 Jahre lang, regelmäßig abgehalten worden sein. Die Einführung der Olympischen Spiele der Neuzeit wurde auf Anregung des bedeutenden französischen Aufklärers und Pädagogen Pierre de Coubertin beschlossen. Als „Treffen der Jugend der Welt“ sollten sie dem sportlichen Vergleich der Nationen und der Völkerverständigung dienen. Seit 1896 finden alle vier Jahre Olympische Sommerspiele und ab 1924 Olympische Winterspiele statt.

Im Februar 2018 fanden in der südkoreanischen Region Pyeongchang des seit 1948 geteilten Korea die XXIII. Olympischen Winterspiele der Neuzeit statt. Uns hier unten hat dieses perfekt organisierte Sportereignis aus mehreren Gründen tiefer berührt, als der sonstige Sportgigantismus, zu dem die schönste Nebensache der Welt dank der fleißigen „Arbeit“ der Politiker und der internationalen Konzerne inzwischen verkommen ist. Zwar war es auch diesmal nicht möglich, den Wettbewerben ungestört von Körper und Seele verletzenden Werbeunterbrechungen zu folgen, und auch diesmal konnten einige Fernsehanstalten die unverschämten Preise für die Senderechte nicht aufbringen. Aber der Gedanke der Völkerverständigung hat dank der Vernunft führender Koreanischer Politiker „am Rande der Spiele“ trotz der martialischen Störversuche der USA überraschend die Oberhand gewonnen. Der nordkoreanische Machthaber Kim Jong Un hatte seine attraktive Schwester Kim Yo Jong sowie eine wilde Cheerleadertruppe nach Südkorea delegiert. Und auch die Nordamerikaner entsandten ihre „First Daughter“ Ivanka Trump in die olympische Arena. Nicht nur wir hier unten sind deswegen voller Hoffnung, dass diese neuerlichen Entspannungsschrittchen nach den beiderseits irrwitzigen Atomkriegsdrohungen zum Wohle der fleißigen Koreanischen Nation und der ganzen Menschheit fortgesetzt werden.

Noch etwas anderes erfüllte uns während jener winterlichen Wettbewerbe mit Hoffnung: Nicht nur, dass die Medienberichterstattung zu den Höhe- und Tiefpunkten der deutschen Sportler nahezu patriotische Züge erreichte. Wir waren auch bass erstaunt, dass an allen Mützen, Hauben und Stirnbändern der Athleten der deutsche Adler prangte. Vierzehn Mal erklang die Haydnsche Hymne und unsere Wintersportler sangen oftmals mit, wenn auch manchmal noch etwas zaghaft. Offensichtlich haben sie sich endlich an den Konkurrenten der anderen Nationen ein Beispiel genommen. Deshalb ärgerte es uns auch kaum noch, dass sich manche Athleten „ihr Land“, für das sie starten wollen, aussuchen können, wie „unsere“ Goldmedaillengewinner im Eispaarlauf, und dass es offensichtlich Mode geworden ist, dafür kurzfristig oder auch vorübergehend Nationalitäten zu verleihen.

Es zeigte sich demnach, dass es sinnvoll ist, dass es im Sport Nationenwettbewerbe im Coubertinschen Sinne gibt. Angesichts der zeitgleich in unserem Heimatland stattfindenden Koalitionsverhandlungen fragten wir uns aber besorgt, wie es sein wird, wenn 2022 die von Herrn Martin Schulz geforderte „Vereinigte Europäische Union (UEU)“ eine einzige europäische Sportlerdelegation zu den Winterspielen nach Peking schickt.

Vorerst konnten wir uns noch ziemlich entspannt an den Erfolgen unserer nationalen Olympioniken mitfreuen, nicht zuletzt auch deshalb, weil Deutschland in der inoffiziellen Nationenwertung hinter Norwegen den zweiten Platz belegte, was etwaig aufkommenden Chauvinismus wohltuend dämpfte. Wenn die Russen Deutschland im Eishockey nicht besiegt hätten, wäre es anders gekommen.

Vielleicht hat es ja daran gelegen, dass die Unsrigen bei der WADA keine asthmatischen Leiden reklamieren konnten…

 Andere  sehen die Spiele von Pyeongchang nicht ganz so optimistisch…

Eine Antwort

  1. Was soll`s? ‚panem et circenses‘ funktioniert doch schon eine ganze Weile.