Kulturnationen

Eingetragen bei: Glosse der Woche | 0

 

Mittwoch, 15. August 2018

Mariä Himmelfahrt

Kennen Sie den Unterschied zwischen einer Kultur und einer Zivilisation?

Kultur ist, wenn Papua-Kopfjäger den Missionar kochen und aufessen, der ihnen seine Religion, seine Moral und seine Rechtsauffassungen, also seinen Zivilisationsstand, näher bringen wollte. Inzwischen hat die Menschheit ein zivilisatorisches Niveau erreicht, mit dem sie sich selber von diesem Globus eliminieren kann…

Die Kannibalen Afrikas, Amerikas oder Papua-Neuguineas waren nicht imstande, Nationen zu bilden. Es handelte sich um nicht allzugroße, lokal beschränkte Clans, die sich gegenseitig bekämpften, besiegte Krieger (rituell) aufaßen und die Frauen der anderen Gruppe vergewaltigten, um so (instinktiv) Inzucht zu vermeiden. Inwieweit sie Musik, Literatur, Tanz und bildende Kunst beherrschten und pflegten, wurde uns von den Missionaren nur bruchstückhaft überliefert. Wir können höchstwahrscheinlich davon ausgehen, dass sie durchaus Anfänge dessen hatten, was wir heute „schöne Künste“ nennen.

Mit Entwicklung der Landwirtschaft verschwand der Kannibalismus von unserer Erdkugel. Allmählich bildeten sich aus den Clans Völkerschaften und aus diesen Staaten. Der Kannibalismus wurde durch Kriege und der Kampf um Nahrung durch den Kampf ums Gold (Geld) ersetzt, welches seit der Antike das allgemeine Tausch- und Machtmittel ist.

Es gibt Philosophen, die der Meinung sind, dass der Krieg der Vater aller Dinge sei. Diese Auffassung teilen wir hier unten nicht. Wir denken, dass die entscheidenden Antriebskräfte der Menschheit Fortpflanzungstrieb, Neugier und Machtgier sind. Deswegen werden auch u.a. regelmäßig Kriege geführt. Mit dem technologischen Fortschritt entwickelten sich Kultur und Zivilisationen immer weiter, zu Beginn des 2. Jahrtausends unserer Zeitrechnung zunehmend gleichmäßiger über die Kontinente verteilt, als noch im 19. Jahrhundert.

In den vergangenen Jahrhunderten gehörten Großkriege mit Massenschlächtereien zur Kultur der konkurrierenden Nationen. Vernichtung ganzer Völkerschaften waren bereits seit dem Spätmittelalter Normalität (Ausrottung der Indianer in Süd- und Nordamerika, Kolonisation Afrikas und Indiens, Dreißigjähriger Krieg, Napoleonische Kriege, 1. und 2. Weltkrieg usw.) Ungeachtet dessen wurden auf den Gebieten der Wissenschaften, der Philosophie, Literatur, Musik und der bildenden Künste beachtliche Höchstleistungen hervorgebracht (Sixtinische Madonna, David von Michelangelo, Faust, 9. Sinfonie von Beethoven z.B.), so dass man sagen kann, dass die Entwicklung der Kriegstechnik und Kriegskunst mit den „schönen“ Künsten Hand in Hand ging.

Mit der Erfindung der Nuklearwaffen und der Digitalisierung wurde Ausgang des 20. Jahrhunderts diesbezüglich eine neue zivilisatorische Stufe betreten. Die internationalen Massenschlächtereien (z.B. Völkerschlacht bei Leipzig, Schlacht an der Somme, Stalingrad, Koreakrieg) scheinen der Vergangenheit anzugehören. Da nunmehr über jeder kriegerischen Auseinandersetzung das Damoklesschwert eines nuklearen Holocaust schwebt, verringern sich bei den neuzeitlichen Streitigkeiten um Ressourcen und territoriale Einflusssphären die Ausweitungen der Kampfzonen und die Menschenopfer. So kann es geschehen, dass beim Abfeuern einer Salve von 111 Cruise Missiles vom Typ Tomahawk durch anglo-amerikanische Schiffsverbände im Mittelmeer lediglich drei Tote und 27 Verletzte auf syrischem Territorium „erzielt“ werden. Dies mag man durchaus als zivilisatorischen Fortschritt ansehen. Hingegen muss man u.E. feststellen, dass die Fortentwicklung der „schönen“ Künste stagniert, wenn sich diese nicht gar rückentwickeln. Die Nationen leben diesbezüglich lediglich von der „Pflege“, respektive „Bewahrung“, einiger Teile ihrer kulturellen Überlieferungen. Kulturtechniken wie Schreiben, Lesen, Tanzen und Musizieren erfreuen sich bei den breiten Massen derzeit kaum größerer Beliebtheit. Auch der Sport, sieht man mal vom Fußball ab, wird nur mehr zum Betätigungsfeld jugendlich-elitärer Minderheiten. Das Smartphone verändert die Gesellschaft womöglich tiefgreifender, als die Erfindung des Buchdrucks. Es ist fraglich, ob wir den Stand der alten Griechen je wieder erreichen können!

Immer wieder mal erhebt sich der Streit, welches Volk die größten Beiträge zur kulturellen Entwicklung der Menschheit geleistet habe. Zweifellos waren dies in der Neuzeit die europäischen Völker, darunter in großem Maße Deutschland. Dennoch haben wir hier unten das Gefühl, dass sich gerade in unserem Land allgemeine Kulturlosigkeit, Unzivilisiertheit im Umgang miteinander, besonders im Bereich der Politik, sowie äußerliche und innerliche Verwahrlosung unaufhaltsam breit machen. Ob dies am allgemeinen Verfall des Westens und seines „Wertegefüges“ oder an der neuartigen Kriegsführung mittels der Migrationswaffe, oder an beidem liegt, können wir noch nicht endgültig entscheiden.

Sicher scheint uns nur, dass der Ausdruck „Kulturnation“ eher ein Euphemismus, als ein wahrer Qualitätsbegriff für den zivilisatorischen Stand unserer derzeitigen westlichen Gesellschaft ist.