Anstand, Würde & Wahrhaftigkeit

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Mittwoch,16. Oktober 2018

Selbstverständlich gilt als hoffnungsloser Idealist, wer im politischen und sonstigen sozialen Leben der Gesellschaft versucht, obige seltene Entitäten als Grundlage des unvermeidlichen oder gesuchten Mit- und Gegeneinanders einzufordern. Andererseits erfordert der Verkehr in jeder zivilisatorischen Vereinigung, von der Ehe über Partnerschaften, Vereine, Institutionen, bis hin zu Politik und Wirtschaft, ein gewisses Mindestmaß an Anstand, Würde und Wahrhaftigkeit. Fehlen diese, bleiben oder werden sie rudimentär, kann sehr schnell gesellschaftliches Chaos, schlimmstenfalls Mord und Totschlag untereinander die Folge sein.

Wir hier unten geben unumwunden zu, dass es uns stets schwer gefallen ist, in philosophischen oder politischen Disputen immer Anstand, Würde und Wahrhaftigkeit zu wahren. Am einfachsten scheint es noch mit der Wahrheit zu gehen bzw. mit dem, was man als solche erkannt zu haben glaubt. Denn auch was das betrifft, kann man nicht sicher sein, dass die Informationen, die man aufgenommen hat – aufnehmen konnte oder aufnehmen durfte – objektiv wahr sind. Diesbezüglich mussten wir unsere Meinung schon tausende Male korrigieren. Für jeden Menschen ist es aber von grundlegender Prägung, was er als Kind, Schüler, Jugendlicher, Studierender usw. als wahr gelehrt bekommen hat. In Deutschland war es bis 1990 sogar wesentlich, auf welcher Seite des Eisernen Vorhangs man geboren wurde.

Wissen, Glauben und Überzeugungen, die man sich solchermaßen angeeignet hat, sind also bestimmender Bestandteil des eigenen Ichs; Fehlwissen, Irrglauben und Ideologie ebenfalls. Glaubt man beispielsweise, dass die Menschheit Einfluss auf den Klimawandel nehmen könnte, prägt das ganz entscheidend das eigene Menschenbild. Hinweise darauf, dass dies eventuell eine überzogene, nahezu narzistisch anmutende Vorstellungen von den derzeitigen Möglichkeiten des Menschen in unserem Sonnensystem und unserer Galaxie sein könnten, würden bei manchem das Selbstbildnis von einem besseren, moralisch höher stehenden Individuum zum Einsturz bringen. Unsere Lebenserfahrung besagt, dass gut gebildete, wissenschaftlich auf der Höhe der Zeit stehende Menschen eher dazu neigen, ihr eigenes Welt- und Menschenbild in Frage zu stellen, als engstirnige und machtbesessene Zeitgenossen. Erstere wissen von der Relativität sowie der Umwelt- und Zeitbezogenheit unseres Erkenntnisstandes. Letztere möchten vor allem gut sein. Jeder Psychologe kann darlegen, dass es sich in einer großen Glaubensgemeinschaft sozial bequemer lebt, als als Skeptiker draußen vor der Tür. Niemand will gerne ein unbequemer und ausgeschlossener Besserwisser sein!

Nun ist es freilich schwer, Beschimpfungen und Beleidigungen von Führern bestimmter Ideologien mit Anstand und Würde zu begegnen. Wenn man zum Beispiel als Rassist betitelt wird, weil man den Islam und andere Religionen kritisiert, als Antisemit, weil man gegen jüdische und evangelikale Zionisten ist, als Klimaleugner, weil man überzeugt davon ist, dass Klima eine Gegebenheit ist, die man nicht schützen kann und CO2 diesbezüglich auch keine Rolle spielt, dann fällt es unsagbar schwer, Anstand und Würde gegenüber den Mehrheiten zu bewahren, die einen deswegen dümmlich attackieren. Beobachtet man die führenden Legislativen und Exekutiven unserer Nation, gewinnt man sogar den Eindruck, dass in deren Disputationen Anstand, Würde und Wahrhaftigkeit bereits vollkommen abhanden gekommen sind.

Wir hier unten trösten uns dann damit, dass es schon immer Demagogen waren, die die Gesellschaft angeführt haben und die dann früher oder später kläglich oder schrecklich gescheitert sind. Mit dieser Erkenntnis kann man seine Contenance auch dadurch bewahren, dass man ein wenig Mitleid mit diesen von der Natur geistig weniger bemittelten Mitmenschen empfindet.

Im Zusammenhang mit der Bayernwahl passt auch dieser Artikel zum Thema!

Und das sagt der geniale Dushan Wegner dazu.

Und das der weniger bekannte Marcus Thielking.