Politisches Kabarett

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Dienstag, 5. September 2017

Die vergangenen Tage konnten wir hier unten und weitere Interessierte verschiedene Wahlkampfrunden ansehen und anhören, die von den Massenmedien als „Kanzlerduell“ oder „Duell der Kleinen“ apostrophiert worden waren. Das breite Publikum dürfte ebenso wie der Chronist verwundert gewesen sein, dass sogar große Teile des Mainstreams negativ-kritisch über diese PR-Veranstaltungen der aktuellen Politikdarsteller berichtet haben. Die einen meinen, die Fragekomplexe der Journalistenmoderatoren seien aus dem AfD-Programm entnommen gewesen, während die anderen darüber klagen, dass die Show der weiblichen Politiker der „Kleinen“ auch nicht besser als das Duell der „Großen“ gewesen sei.

Wir hier unten glauben, dass nicht allein die versammelte deutsche Journaille einem grundsätzlichen Irrtum aufgesessen ist. Sie und das Publikum hatten womöglich erwartet, dass die Kontrahenten ihre Meinung zur Lage der Nation darlegen und Vorschläge einer Politik der Zukunftssicherung für unser Volk, unsere Kinder und Kindeskinder unterbreiten würden. Aber fast jedermann weiß doch, dass man dies von derartigen Unterhaltungssendungen keinesfalls erwarten sollte. Sie sind vielmehr dazu da, den Untertan bei Laune und im festen Glauben zu halten, dass es sich bei diesem aufwändigen Gesellschaftsspiel um Demokratie handelt. Und der deutsche Michel möchte zu gern an dieser Illusion festhalten, weil sein Seelenleben sonst ziemlich unerträglich würde.

Bei Lichte besehen sieht es aber so aus: Das Imperium verspottet mit diesen Medienspektakeln das Wahlvolk auf das feinste! Denn eine Dame mit Stasiakte und ein Herr mit Alkoholikerakte sind sich ziemlich sicher, dass sie vorerst Statthalter der BRD-GmbH bleiben dürfen. Sie verstehen von wirklicher Politik ungefähr ebensoviel, wie der Papst von Sexualberatung. Für den Fall, dass demnächst irgendetwas schief geht, wird ein Adliger mit Plagiatsakte bereits als neuer Statthalter aufgebaut. Und der ist für die harte Variante gebrieft!

Oder haben Sie sich, sehr verehrte Leserschaft, noch nicht gefragt, wie es kommt, dass ein „vorerst gescheiterter“ Herr Karl Theodor Maria Nikolaus Johann Jacob Philipp Franz Joseph Sylvester Freiherr von und zu Guttenberg urplötzlich wieder in den Spitzentalkrunden der Republik auftaucht und seinen Atlantikschaum erneut über das deutsche Volk verspritzen darf?