#me too

Eingetragen bei: Glosse der Woche | 3

Dienstag, 14. November 2017

Von irgendwoher kam kürzlich der Vorschlag, der deutschen Erfindergilde zu empfehlen, einen umweltfreundlichen Fernsehempfänger zu konstruieren, welcher von der heißen Luft der gesendeten Beiträge angetrieben werden könnte. Einer hat bezüglich des Sendeinhalts der öffentlich-rechtlichen wie der privaten Fernsehanstalten sogar das verpönte und politisch vollkommen inkorrekte Sch…-Wort gebraucht.

Am vergangenen Sonntagabend war es wieder mal soweit: Müll, soweit das Programm reichte, spezielle Werbe- und Erotikkanäle inbegriffen. Da es für einen anregenden Pornofilm irgendwie noch zu früh war, beschloss ich nach mehrmaligem Hin-und-her-Zappen, bei Anne Wills Talkrunde zu verweilen, da ich fälschlicherweise annahm, dass es da um Sex gehe. Fünf attraktive Damen (bis auf Ursula Schele, die ganz offensichtlich längere Zeit keinen Sex hatte) und ein einsamer, unattraktiver älterer Herr (dito!) diskutierten über die sattsam bekannte Sau, die seit einigen Tagen wieder einmal durch das globale Dorf getrieben wird. Diesmal nennt man sie „me too“, hashtag.

Ihr mich aber auch!…“ dachte ich nach einer knappen Viertelstunde. Doch dann fuhr die Kamera in Minute 14:24 genüsslich über die Beine von Verona Poth, hinauf zu ihren, vom beigefarbenen, enggeschnittenen Kleid, wohlbetonten Brüsten bis zur mit mehreren Kilos Schminke und meterlangen falschen Wimpern perfekt gestalteten Visage der Dame mit dem berühmten italienischen Städtenamen. Das passt ja, dachte ich mir, und blieb am Bildschirm.

Die dargebotene Talkrunde über Sexismus war selbstverständlich alles andere als eine Debatte. Denn es fehlten männliche wie weibliche Vertreter einer Gegenmeinung. Einzige Ausnahme: Heike-Melba Fendel, deren sexy-erkältete Stimme mich weiter am Fernseher festhielt. Sie wurde jedoch in bekannter Manier niederdiskutiert, sobald sie versuchte, einen erweiternden Aspekt in Annes Show einzubringen. Die Moderation lenkte den Disput wie stets propagandistisch tendenziös, unausgewogen und journalistisch unterirdisch. Entsprechend erreichte die Diskussion lediglich das Niveau eines betreuten Meinungsaustausches frühdementer Naivlinge, mal ganz abgesehen von den andauernden Machtdemonstrationen der Frauen Will und Schele.

Das Neue an dieser, mit unschöner Regelmäßigkeit und angeblich dringlicher Notwendigkeit, immer wieder hochkochenden Medienpropaganda über anscheinend weitverbreitete sexuelle Grenzüberschreitungen durch Männer war, dass die aktuelle Welle aus Amerikas Hollywood-Propaganda-Trust zu uns herüberschwappt. Jahre nach angeblichen Belästigungen und Vergewaltigungen einiger hauptsächlich von ihrem guten Aussehen lebenden Hollywood-Schauspielerinnen fällt denen ein, dass sie im Rahmen ihres Karriereaufstieges einst von den reichen Bossen der Filmindustrie in ihrer Menschenwürde zutiefst verletzt worden waren. Was Hollywood überhaupt mit Menschenrechten zu tun haben könnte, blieb offen.

Besonders frustrierend war an dieser allsonntäglichen Inquisitionsrunde, dass niemand auch nur ansatzweise zu fragen wagte, in welcher Weise Frauen (sind ja auch Menschen!) sexistische Macht auf das andere oder gleiche Geschlecht oder an Kindern auszuüben in der Lage sind. Oder gar, warum die Machtverhältnisse so sind wie sie sind!

Sexismus in der Werbung, in der gesamten Filmindustrie, in der Highsociety (besonders in Washington und Hollywood), und vor allem die seit der illegalen Einwanderung von hunderttausenden unbeweibten jungen Männern um sich greifende sexuelle Gewalt auf Deutschlands Straßen, wurden in dieser unsäglichen Sendung überhaupt nicht besprochen.

Schließlich wurden wir von Frau Schele noch belehrt, dass Sexismus nichts mit Sex zu tun hat. Das ahnten wir aber schon, denn auch Islamismus hat ja nichts mit dem Islam zu tun und Alkoholismus nichts mit Alkohol! Am Ende wurde Herr Baum (FDP) von Frau Will aufgefordert zu bereuen, dass er bei einer der letzten Sexismus-Debatten Herrn Brüderle nicht wegen dessen Herrenwitze verurteilt hat. Das wollte er dann aber doch nicht so gern…

Ich war ein wenig stolz auf mich, dass ich die Sendung ohne Nervenzusammenbruch durchgestanden hatte, schwor mir aber, künftig Sex und Saufen total zu entsagen und die Frauen unter sich lassen! Auch beschlich mich der Verdacht, dass die ganze Kampagne nur dazu dient, die viel schlimmeren Pädophilieskandale unter der Decke zu halten. Nachdem unsere Gesellschaft seit mehr als zwanzig Jahren mit an vollkommener Debilität grenzendem Irrsinn weitestgehend durchgegendert ist, muss man sich jedenfalls nicht wundern, dass es mit dem Sex bei uns nicht mehr richtig klappt.

Mich können sie jetzt auch alle mal: „me too“, hashtag…

PS: Und so sieht deutsches Unterhaltungsniveau aus !

3 Antworten

  1. Wie erfrischend, auf dieser sonst ernsten Seite einen solchen Quereinstieg zu lesen! Ich hatte mich, weil ja sonst wirklich nur Müll lief, für die „Tribute von Panem“ entschieden. …und damit kein Geld für`s Kinoticket ausgegeben, keinen illegalen Download durchgeführt, keinen „Bezahlsender“ noch reicher gemacht usw. Leider wird so etwas mit einem Werbeblock nach dem anderen bestraft und der Gewissheit, dass es am nächsten Tag als früh aufstehender moderner Lohnsklave etwas zäher wird als sonst. Auf Privatsendern hat damit jeder Film Überlänge. Auf meiner Zapp-Tour während der Werbung bin ich tatsächlich bei der von ihnen beschriebenen Sendung gelandet. Sie haben meine uneingeschränkte Bewunderung, wenn Sie diesen Unfug ohne bleibende Schäden ausgehalten haben. Ihren Frust möchte ich ein wenig lindern. Ab Minute 20:11, ausgerechnet, als ich reingeschaltet habe, hat Verona Pooth, als einzig wahrnehmbare Frau in der Runde, mal kurz den Scheinwerfer herumgedreht. Dann haben die Inquisitorinnen sicher munter weiter geurteilt…Ich habe das nicht ausgehalten! Also zurück nach der Werbung zum vermeintlichen Action-Film…Einfach mal einen Schritt zur Seite, weg von der Oberfläche: Sind wir Panem? In welchem Distrikt leben wir? Wer ist wie nah am Capitol? …und wie lange geht der tatsächliche Wahnsinn um uns herum noch gut. Genau in diesem Sinn bin ich gerne weiter an ihrer Seite interessiert.

    • Ich musste beim Zappen an diesem Abend nach nur 5 Minuten Verweilsdauer auf Will’s Sendung richtig kotzen. Bin dann – merkwürdig – auch in Panem gelandet… Auch von mir meine Bewunderung für die Ausdauer!

      • Christian F. Schultze

        Ganz offen! Ich hab es in Wirklichkeit nicht wegen der Damen angeschaut, sondern quasi aus „beruflichen“ Gründen. Natürlich könnte man sich auch weigern, dieses unterirdische Gequassel zu konsumieren. Aber dann kann man es ja auch nicht kommentieren. Und andererseits – wenn man nicht wenigstens versucht, dagegen zu halten, ist man doch eigentlich bereits tot!