Post Faktum

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Sonntag, 3. Advent 2016

Ein Tatbestand, eine Gegebenheit oder eine Tatsächlichkeit sind grundlegende Begriffe der modernen Philosophie und Rechtswissenschaft, die Faktizität. Man kann „Faktizität“ auch als konkreten Lebenssachverhalt (Faktum) oder als „Bestandsaufnahme“ aller Umstände eines menschlichen Tuns definieren.

Wir hier unten sind uns nicht ganz sicher, ob die derzeitige deutsche „Zivilgesellschaft“ alle Umstände ihres diversen Tuns stets richtig versteht oder verstehen möchte. Diese Frage scheint offenbar auch Teile unserer Regierung, unseres Parlaments und unserer Einheizpresse umzutreiben. Darum arbeitet die ewige Kanzlerin mitsamt ihren Unterstützern Tag und Nacht daran, Licht in das Dunkel der politischen Begriffswelten zu bringen und trägt die Fackel der Entwicklung postmodernen Neusprechs vorbildhaft voran. Dabei werden ohne Unterlass vollkommen neue Begriffe erfunden oder alte umgedeutet.

Insbesondere bei der Zelebration des jüngsten Parteitages des Christlichen Unionspartei, bei der UNSERE LIEBE DEUTSCHE FRAU zur ungebremsten Begeisterung ihrer treuen Untertanen die nochmalige (vierte) Kanzlerkandidatur bekannt gab, und bei welchem sie sich mit überwältigender Mehrheit erneut zur Vorsitzenden der altehrwürdigen CDU bestimmen ließ, wurde das deutlicher denn je. Angela Merkel verzauberte ihre Satrapen und das ganze deutsche Volk in ihrer „Bewerbungsrede“ bis zur Verzückung mit zahllosen postfaktischen Floskeln. Früher nannte man derlei Beschreibungen von Ereignissen, die nach der aktuellen Faktizität stattfinden sollen, Prophetie oder – Kaffeesatzleserei, je nachdem, aus welcher Perspektive man das betrachtete. Besonderer Erfolg scheint aber vor allem dann garantiert zu sein, wenn man postfaktische Lebenssachverhalte nonfaktisch begründet. Darin hat die DDR-assoziierte Vorsitzende eine Meisterschaft entwickelt, die weltweit ihresgleichen sucht. Es genügt heutzutage eben einfach nicht mehr, keinerlei politische Agenda zu haben. Man muss vor allem die Fähigkeit besitzen, dem Volke dies als alternativlos zu verkaufen.

Inzwischen haben wir uns hier unten daran gewöhnt, dass die so genannten Eliten über alle bisher bekannten wie neu kreierten Begriffe eine nahezu unumschränkte Deutungshoheit erlangt haben. So werden – bis auf die der Partei „Die Linke“ – selbst die zaghaftesten Versuche parlamentarischer und außerparlamentarischer Regierungskritik als „rechtspolulistisch“ abgebügelt und die Innovationen dahingehender Sprachschöpfungen erreichen immer neue semantische Höhepunkte.

Freilich erscheint es uns zuweilen, dass das Sprachtalent der Hexenmeister moderner Propaganda gewissen intellektuellen Beschränkungen unterworfen ist. Kann noch jede deutsche Hausfrau die Begriffe „Pack“ oder „Dumpfbacke“ leicht verstehen, werden Kommunikationskeulen wie „Nazi“, „Rechtspopulist“ oder „Antisemit“ zumeist missverstanden. Nazis waren und sind nämlich Nationalsozialisten, mithin Sozialisten, die national gesinnt sind. Rechtspopulisten sind Volksschichten, die eine rechte Gesinnung zur Schau tragen. Als Antisemiten betitelt die herrschende Meinung solche, die angeblich etwas gegen Juden haben, obwohl es noch zahlreiche andere semitische Ethnien gibt.

Beim Nachdenken über derlei Begriffsmetamorphosen fällt auf, dass alle faschistischen Regime der neueren Geschichte vor allem auch „sozialistisch“ waren. Mithin ist aller Faschismus (der als Bündelung finanzieller, militärischer, medialer und politischer Macht definiert ist) zuallererst linke Ideologie. Dass der Hitlerismus zudem noch massiv rassistisch gewesen ist, war eine deutsche Besonderheit. Stalinscher, maoistischer oder pol-potscher Faschismus gerierten sich eher international, waren aber ebenso linksideologisch motiviert. Heute wollen nicht wenige innerhalb der Europäischen Union einen links-grünen Faschismus erkennen.

Faktizistisch müssten Rechtspopulisten Mitbürger sein, die den rechten Überzeugungen anhängen. Wobei zu beachten ist, dass die Begriffe „Volk“ wie auch „Recht“ früher durchaus positive Bedeutung besaßen und in den Artikeln unseres Grundgesetzes immer noch affirmativ besetzt sind.

Daher habe ich beschlossen, mich als nationalen Rechtspopulisten zu outen und verspreche, dass ich mich bemühen werde, dazu beizutragen, dem „Recht des Volkes“ zum Durchbruch zu verhelfen und dabei allem Linksfaschismus entgegenzutreten.

Bitte lesen sich dazu auch dies und das !