Leaks

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Sonntag, 18. September 2016

Ein Leak ist für die, welche die Sprache des Imperiums unserer Epoche ein wenig beherrschen, ein Leck, ein Loch, im weiteren Sinne eine undichte Stelle. Im deutschsprachigen Raum bedeutet dieser Begriff neuerdings auch die nicht autorisierte Veröffentlichung von Informationen. Im noch engeren Sinne ist ein Leak die zielgerichtete Enthüllung von vertraulichen Informationen und deren Verbreitung durch einen meist anonymen Insider, deren Veröffentlichung gegen bestehende Gesetze, Verordnungen oder Konventionen verstößt. Die Leute, die das machen, kennen wir unter dem ebenfalls anglo-amerikanischen Begriff Whistleblower.

Wer Geheimhaltungsgesetze macht, wem diese nützen und wem sie schaden, soll hier nicht weiter erörtert werden. Es ist auch zu indifferent, denn Leaks werden durch jene und solche lanciert und wir Untertanen sind heutzutage kaum in der Lage, Tatsachen von Lügen zu unterscheiden, nicht nur bei den tagtäglichen Leaks.

Allerdings ist uns hier unten aufgefallen, dass diese Neudeutung des englischen Wortes germanischen Stammes mittlerweile allzu eng geworden ist. Denn ein Leak ist zuerst ein Loch! Ein Loch ist aber etwas, das fehlt; insofern freilich kein Nichts. Es erlangt erst dann Bedeutung, wenn etwas drumherum ist, während das Nichts bedeutungslos ist. Entscheidend für die Bedeutung eines Loches ist, was um es herum passiert, nicht nur bei den so genannten „Schwarzen Löchern“.

Über die physikalische und philosophische Bedeutung von Löchern kann man deshalb lange nachdenken. Uns hier unten interessieren aber seit eh und je vornehmlich die Löcher in der Berichterstattung unserer Qualitätsmedien, ihre Verschweigungen und Weglassungen. Manche nennen deshalb unsere Einheizpresse neuerdings Lückenpresse. Unsere Politikdarsteller, sowohl in den Legislativen, wie auch in den Exekutiven, lassen bei ihren Statements die wichtigsten Informationen meist ebenfalls weg. Das wird uns besonders in Wahlkampfzeiten bewusst. Und wenn gleich drei Säulen des „demokratischen“ Staatswesens ihre Aufgabe darin sehen, durch Löcher und Lügen in ihrer Informationspolitik zu glänzen, sollte sich der „Souverän“ langsam bequemen, die Dinge wieder zurecht zu rücken.

Wie? Durch Wahlen bestimmt nicht!

Falls Sie zur Wahl gehen wollen, lesen Sie hier mal rein!