Fertilitätslücke

27. März – Ostern – 2016

Auch im Jahr des Herrn 2016 feiert ein großer Teil der Menschheit das christliche Osterfest. Neben der weihnachtlichen Tannenbaumtradition hat in den vergangenen Jahren der Ostereierbaum in Deutschland fröhliche Karriere gemacht. Freilich hat das Osterei einen viel älteren als den christlichen Ursprung und galt von jeher als das Symbol für Fruchtbarkeit und Leben. Was den Schluss nahelegt, dass das Ei doch älter ist, als die Henne…

Vielleicht hat die sich in unseren Regionen verbreitende Sitte der Ostereierbäume damit zu tun, dass es mit der Fruchtbarkeit der Deutschen seit einigen Jahrzehnten bergab geht. Das sagen uns jedenfalls die Demoskopen. Die Wirtschaftspolitiker schlussfolgern daraus, dass der Untergang der deutschen Wirtschaft nahe herbeigekommen ist, die Renten unserer Alten in Gefahr sind und wir deshalb dringend junge (möglichst qualifizierte) Einwanderer benötigen. Bundespräsident Gauck und Angela Merkel sind dieserhalb schon seit Jahren weltweit auf Werbetour…

Allerdings ist die Legende vom Untergang der Deutschen und ihrer Wirtschaft aus mehreren Gründen falsch:

Erstens handelt es sich ganz überwiegend nicht mehr um „die deutsche Wirtschaft“, weil die Eigentumsverhältnisse in den letzten beiden Jahrzehnten zugunsten des internationalen Großkapitals bereinigt wurden.

Zweitens wäre es wenig tragisch, wenn es im Jahr 2025 – sagen wir mal – nur noch 50 Millionen Deutsche gäbe. Die Ungarn beispielsweise mit 10 Millionen, die Schweizer mit acht Millionen und die Norweger mit fünf Millionen Einwohnern leben auch nicht schlechter. Schlecht leben dagegen die Nationen, die Überbevölkerung und dank der angloamerikanischen Kriegspolitik eine völlig zerbombte Wirtschaft haben. Außerdem wird heute bereits jedem Schulkind in Deutschland beigebracht, dass Nationen überflüssig seien und in größeren Verbünden, wie zum Beispiel der Europäischen Union, auf- oder untergehen sollten…

Drittens nimmt trotz der Fertilitätsstagnation in Europa die Weltbevölkerung weiterhin zu. Waren es 1980 erst etwa 4,5 Milliarden Menschen auf dieser Welt, sind es heute bereits rund 7,5 Milliarden und 2025 sollen es gar 9 Milliarden sein. Wieso sollten wir Deutschen zu diesem Irrsinn auch noch einen signifikanten Beitrag leisten?

Nicht zuletzt stieg trotz des bei uns so negativ wachsenden „Generationenbaums“ das deutsche Bruttoinlandsprodukt seit Ende des Zweiten Weltkrieges unaufhörlich in geradezu schwindelerregende Höhen. Betrug es 1980 noch mickrige 947 Milliarden (bereinigte) US-Dollar, konnten zur Zeit der Wiedervereinigung bereits 1,765 Billionen (USD) und 2011 3,752 Billionen verzeichnet werden.

Da fragen wir hier unten uns ganz besorgt: Wo sind all die Milliarden geblieben? Wo sind die Lohnerhöhungen, Arbeitszeitkürzungen und Rentenzuwächse, die diese Milliarden ermöglicht hätten? Stattdessen erfahren wir in den jährlichen Reichtums- und Armutsberichten ganz offiziell und frech, dass die Einkommensschere immer mehr auseinanderklafft, der Superreichtum sich immer mehr konzentriert, die Schuldenuhr unaufhörlich tickt und die Großinvestoren nicht mehr wissen, wo sie ihre Billionen unterbringen könnten. Außer vielleicht in Kriegen…

Das Schlimmste an alle dem scheint uns hier unten allerdings die Tatsache zu sein, dass der überwiegende Teil der Deutschen die Lügen und den Unsinn, den die Einheizpresse über unsere Fertilitätslücke verbreitet, für bare Münze nehmen.

Das verleidet uns ein wenig das Osterfest und die Freude an den bunten Osterbäumen.