Doppelpass

Eingetragen bei: Fundstücke, Glosse der Woche | 3

Mittwoch, 24. August 2016

Irgendwie waren wir hier unten ja froh, dass die brasilianische Fußballequipe die Deutsche Nationalmannschaft der Kicker um Horst Hrubesch im Elfmeterschießen doch noch besiegt hat. Somit wurden diplomatische Verwicklungen oder Massenaufstände der Brasilianer vermieden, Frau Merkel musste nicht zu einem Blitzbesuch in die Katakomben des Maracanã reisen, sondern konnte sich weiterhin ihrer Willkommenspolitik widmen, und die Frage nach deutschem Doping wurde gar nicht erst gestellt…
Die trotz Mauerns der Profivereine zusammentelefonierte Männermannschaft gewann nicht zuletzt aufgrund ihres erfreulich patriotischen Zusammenhalts und eines gekonnten Flügelspiels hochverdient die Silbermedaille. Ihr Spiel war vor allem durch zahlreiche Doppelpassvarianten gekennzeichnet, wenn auch beileibe nicht alle zu einem Torabschluss führten. Diverses Doppelpass-Spiel erlebten wir ebenfalls bei unseren Fußballfrauen, den Handballern, Hockeyherren- und -damen, ja selbst bei den Reiter(Inne)n schien es uns zuweilen, als gingen ihre herrlichen Rösser im Doppelpass.
Unsere Regierenden führten uns im vergangenen Einwanderungsjahr ganz besonders hochkarätige Doppelapassvarianten deutscher Politik vor. Denken wir nur an das nicht enden wollende Spiel zwischen UNSERER LIEBEN DEUTSCHEN FRAU und ihrem CSU-Koalitionär Horst Seehofer. Wie sie sich in der seit dem Frühjahr 2015 anhaltenden „Wir-Schaffen-Das“-Periode die Bälle zuspielten, erinnerte manchen an die hohe Kickerkunst unserer Fußballidole. Wir hier unten vermuten zudem seit geraumer Zeit, dass dieses Doppelpass-Spiel nicht nur dazu dienen soll, dass verwirrte Staatsvolk unten und die Regierung oben zu halten, sondern auch den Welthegemon so fern, wie es dessen Berliner Vasallen gerade eben vermögen.

Und nun noch die Diskussion um den doppelten Pass und das Burkaverbot! Manche Staatsbürger sind der Meinung, dass die Doppelpassregelung dem Grundgesetz widerspricht, weil damit der Gleichheitsgrundsatz, auf den besonders Rote und Grüne soviel wert legen, eklatant verletzt ist. Denn wie soll der deutsche Eingeborene an einen zweiten Pass gelangen, von anderen mit dem Doppelpass verbundenen Ungerechtigkeiten mal ganz abgesehen? Zum Burkastreit meinen juristisch Unkundige wiederum, es gäbe ja das Vermummungsverbot. Doch eine Burka ist keine Vermummung, sondern eine Tracht. Und Trachten sind in Deutschland – jedenfalls bis jetzt – sehr beliebt.
Obwohl wir hier unten aus rein volkstümlichen Überlegungen gegen beides, Doppelpass und Burka, sind, befürchten wir, dass es sich bei der aktuell losgetretenen Diskussion lediglich um einen Doppelpassvariante der christlichen Union handelt und ihre grundrichtigen Themen nach der Wahl wieder im Sande verlaufen.

Lesen Sie, wenn Sie mögen, auch mein Fundstück dazu!

3 Antworten

  1. Doppelpass heißt doch nur, dass das Leben den Besitzer durch die Welt trug. Ist eigentlich ein Pluspunkt für jeden Staat, an solchen Bürgern Teil zu haben und viele Länder schätzen das. Ich finde die Debatte der „Loyalität“, oder wie hier, der „Gleichberechtigung“, nur als Vorwand den Rechtsruck zu vertuschen. Auch kein Terroranschlag wird mit einem solchen Verbot verhindert. Es gibt unzählige „Mehrstaatler“, mit zwei, drei oder mehreren Pässen (auch ohne „007“ zu heißen), die eigentlich in jedem ihrer Staaten denen sie angehören, einfach nur derer Staatsbürger mit allen Rechten und Pflichten sind. Die genannte „Rosinenpickerei“ würde nur in allen anderen Ländern erfolgen, durch die freie Wahl ihrer diplomatischen Vertretung. Ist das grundgesetzwidrig?

    • Christian F. Schultze

      Hallo Roland,
      eigentlich hat Hubert von Brunn alles Nötige zur „Doppelstaatsbürgerschaft“ gesagt, so dass ein Kommentar zu seiner Einlassung oder zu meiner Glosse überflüssig ist. Allerdings ist das Thema mal wirklich wichtig, so dass man darüber debattieren sollte. Ich vertrete die Brunnsche Auffassung bereits seit Jahren, dargelegt in meiner Schrift zur „Demokratischen Reformation Deutschlands“. Inzwischen ist die Rechtswirklichkeit nicht nur gegenüber der Rechtslage gemäß Grundgesetz, sondern gegenüber fast allen Rechtsnormen, so im Sozial- und Strafrecht und jüngst im Einwanderungs- und Asylrecht, noch mehr verschoben als vor zehn Jahren, als ich die „Demokratische Reformation…“ anmahnte. Unsere Regierung geht bei der Demontage des Rechtsstaates mit eklatanten Rechtsbrüchen, z.B. im Asylrecht und im Wehrrecht diktatorisch voran. Dieses Vorgehen erinnert an die Machtergreifung 1933. Die Deutschen damals waren offenbar ebensolche Schlafwandler wie heute.
      Aber ich wollte gar nicht mit juristischen Argumenten kommen, sondern mal anregen, ganz ohne weitere Rechtskenntnisse darüber nachzudenken, wie hanebüchen der Gedanke ist, man könnte Staatsbürger zweier Staaten sein. Eine wesentliche Aufgabe des Staates ist es – ich schrieb darüber in „Demokratische Reformation… – seine Staatsbürger im In- und Ausland vor Unbill zu schützen. Man stelle sich das praktisch bei Menschen mit zwei oder drei Pässen vor! Und welchen Pass zückt man, wenn die eigene oder fremde Polizei berechtigt oder unberechtigt was von einem will? Welchen Staat verteidigt man, welche Regierung will man wählen oder zum Teufel jagen usw. usf.
      Wieso Menschen mit mehreren Pässen eine Bereicherung eines Staatsvolkes sein sollen, erschließt sich mir also nicht. Dann sind eher noch Ausländer mit Aufenthaltsgenehmigung eine solche, wenn sie hier arbeiten und Steuern zahlen. Und wieso die Frage nach dem Sinn einer Doppelstaatsbürgerschaft „rechtsruckig“ sein soll, begreife ich erst recht nicht. Sollte das ganze spinnerte Gutmenschen- und Antideutschentum „links“ sein, dann bin ich gern rechts, denn rechts kommt von Recht und rechtens. Und alles „Linke“ der letzten Jahrzehnte hat Deutschland erneut zum Kriegshetzer, Kriegstreiber und Kriegsteilnehmer gemacht. Sollte das deutsche Volk dafür wieder einmal zur Verantwortung gezogen werden, ist es bestimmt sehr vorteilhaft, einen zweiten Pass zu besitzen…
      Also – ruhig mal die Gedanken von Hubert von Brunn zu Ende denken. Denn Staatsbürger zu sein bedeutet auch Verantwortung für seinen Staat und für seine (noch so beschissene) Regierung zu tragen!

      • Weil es ein wichtiges Thema ist, möchte ich mich noch einmal in die Debatte einbringen und meinen Kommentar etwas zu „Recht“ rücken 🙂 Jedes Land ist selbstverständlich berechtigt die Vergabe der Staatsbürgerschaft mit Bedingungen zu verknüpfen, wie etwa alle anderen abzulegen. Eine Debatte dazu lief doch schon mal. Die Rechte und Pflichten eines Staatstsbürgers sind doch die gleichen gegenüber seines (noch so beschissenen) Staates, egal ob er nur einen oder mehrere Pässe besitzt. Wenn ein Türke mit zwei Pässen hier den türkischen „zückt“, um sich zu tarnen, begeht er eine Pflichtverletzung, oder einen „Loyalitätsbruch“, das ist doch klar! Aber wie steht es wenn er sich im arabischen Raum befindet? Da würde ich an seiner Stelle um mein Leben fürchten, wenn ich den deutschen Pass vorzeige… Die monierte „Wahl“ hat ein Mehrstaatler doch nur in einem Drittland! Auch ein deutscher Auswanderer kann in Paraguay die dortige Staatsbürgerschaft zusätzlich erhalten, sollte und wird dann auch nur bei einem Besuch in Deutschland als Deutscher behandelt, mit allen Rechten und Pflichten. Soweit die Theorie. Ich bin aber auch dafür, dass diesbezüglicher Tarn-Missbrauch bestraft werden sollte…
        Warum eine Bereicherung? Ob Bereicherung, weiß ich nicht, ich nannte es Pluspunkt: Weil ein Mehrstaatler ja in der Gunst mehrerer Staaten steht, und somit i.d.R. eine gesammelte Erfahrung mit sich trägt.
        Und zu guter Letzt, was ist mit dem Rechtsruck? Eine Debatte zum „Doppelpass“ führt doch die Politik schon seit Langem und jetzt, zusammen mit dem Burkaverbot (was genau so wenig einen Terroranschlag verhindert), nur die seit dem Flüchtlingsansturm nach rechts gerückten Wähler wieder einfangen will. Der Sinn der Mehrstaatlichkeit hat auch aus meiner Sicht nichts mit „rechter Gesinnung“ zu tun. Wird aber nun von der Politik genutzt, um fingerzeigend sagen zu können: „Seht ihr, das sind die Bösen!“