Sparta

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„Griechenlands Finanzminister Varoufakis hat es binnen weniger Wochen geschafft, zum unseriösesten Spitzenpolitiker Europas abzusteigen. Sein Halbstarken-Rollenspiel aus coolem Bruce-Willis-Gehabe, vulgärsozialistischer Demagogie und lederjackenhafter Sponti-Frechheit fasziniert und erschreckt das staunende Publikum von Lissabon bis Lettland zugleich. Anfangs war Europa hin- und hergerissen zwischen Sympathie, Mitleid und Sorge. Ein Hilfsreflex für die linkslaunigen Amateure aus Athen war weithin spürbar. Doch Varoufakis hat sich mit der Eleganz eines Elefanten bewegt, der berauscht von seiner eigenen Coolness im Porzellanladen Sirtaki tanzt. Nun liegen allseitig Scherben umher. Es begann mit dem arroganten Herauswerfen der Troika-Helfer aus Athen und es gipfelt in dreisten Reparationsforderungen an Deutschland und dem Abstreiten einer peinlichen Stinkefingergeste in Richtung Berlin.“

Nein, verehrte Leserschaft, dieser faschistoide Text stammt nicht aus meiner Feder, sondern aus der des 1964 in Gelsenhausen geborenen Publizisten Wolfram Weimer. Dieser hochdekorierte Schreiber war schon Chefredakteur von Die Welt, Berliner Morgenpost, Focus und Cicero. Und er muss eigentlich wissen, was jetzt so in Berlin, Brüssel und in der EZB vorgeht. Ja, Yanis Varoufakis hat sogar unsere graue Finanzeminenz Wolfgang Schäuble an dessen Verurteilung in der CDU-Spendenaffäre erinnert. Dabei ist das doch im vorigen Jahrtausend gewesen und längst vergeben und vergessen!

Was ist geschehen, fragen wir uns hier unten, ebenfalls fassungslos, wenn einer der führenden Meinungsmacher der Republik über ein Regierungsmitglied eines befreundeten Landes ein derart vernichtendes Urteil fällt?

Am 11. August 480 v. Christus machte sich Sparta einen Namen, als König Leonidas mit ganzen dreihundert Spartiaten versuchte, den Thermophylenpass gegen eine große Übermacht der einfallenden Perser zu verteidigen. Doch die Griechen wurden schließlich geschlagen, allerdings erst nach sieben Tagen heftigster Gegenwehr bis zum letzten Mann. Dadurch wurde etwas Zeit gewonnen und die Perser wurden kurz danach in der Seeschlacht von Salamis besiegt. Wenig später gingen die Spartiaten und Athener vereint zum Gegenangriff über und befreiten die kleinasiatischen Griechenstädte von der Perserherrschaft.

Nun ist es nicht ganz sicher, ob der Griechische Finanzminister in Günter Jauchs Talkshow wirklich den Stinkefinger, eine Erfindung seines antiken Landsmannes Diogenes, in Richtung Deutschland erhoben hat. Eigentlich traut kein Deutscher unserer Wahrheitspresse eine solche Fälschung zu.

Nehmen wir aber einmal an, Varoufakis hat es tatsächlich gemacht. Dann sagen wir hier unten: Richtig, endlich mal einer, wenn auch ein Kleiner, der von Schäuble und Co. die Wiedereinführung der Kontrolle des Finanzmarktes und eine Rücknahme der sinnlosen Kreditverträge der „Systembanken“ fordert, die diese den korrupten Athener Vorgängerregierungen aufgeschwatzt haben und welche jetzt vom griechischen und deutschen Steuerzahler an die internationalen Mammonisten zurückgezahlt werden sollen.

Da die neuen „Spartiaten“ ebensogut wie Herr Schäuble und Herr Weimer wissen, dass das Eurokartenhaus zusammenfällt, wenn die griechische Karte gezogen wird, sollten wir uns über jeden diesbezüglichen Stinkefinger freuen, selbst wenn sich herausstellt, dass obiger eine Fälschung ist.