Relativierer

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Mittwoch, 4. November 2015

Neulich traute ich meinen Augen nicht, als ich in der Süddeutschen Zeitung die Meldung verfolgte, dass der Israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu eine Begegnung zwischen Hitler und dem damaligen Palästinenserführer Husseini, die im November 1941 in Berlin stattfand, folgendermaßen geschildert haben soll: „Hitler wollte die Juden damals nicht vernichten, er wollte die Juden ausweisen.“ Der Mufti habe gesagt: „Wenn Sie sie deportieren, kommen sie hierher (nach Palästina).“ Hitler habe entgegnet: „Was soll ich also mit ihnen machen?“ Husseini habe geantwortet: „Verbrennen Sie sie!“
Angela Merkel hat Netanjahu als gute Christin sofort vehement widersprochen. Sie weiß, dass die „Deutschen Christen“ und viele Katholiken, insbesondere die polnischen, gegen Hitlers „Endlösung“ nichts einzuwenden hatten. Außerdem hat sie vielleicht, obwohl es in Deutschland immer noch verboten ist, „Mein Kampf“ gelesen. Dort steht allerdings tatsächlich nichts von „Vergasen oder Verbrennen“, um so mehr aber von schädlichen Ethnien, voran „Der Jude“, aber auch die Zigeuner, die Slawen und nicht zuletzt alles „unwerte“ menschliche Leben, welches sich in Behinderten manifestiere und dem Aufstieg der arischen Rasse hinderlich werden könnte. Dazu kam Hitlers fixe Idee von der allgemeinen Überlegenheit und der notwendigen Weltherrschaft der Deutschen.
Man muss nicht unbedingt Anhänger der Humanisten der Epoche der Aufklärung sein, um zu erkennen, wie hirnverbrannt derlei Wahnsinnsideen sind. Dennoch folgten 90 Prozent der Deutschen ihrem Führer bis in den totalen Krieg, wofür sie dann die Quittung bekamen. Möglicherweise hing es damit zusammen, dass die „Aufgeklärten“ nur eine Minderheit und die meisten Deutschen Christen beiderlei Bekenntnisses sowie ihrer diversen Ableger waren.
Inzwischen hat Netanjahu seine Aussage relativiert. Doch was wollte uns der Anführer des Judenstaates mit seinen unüberlegten Äußerungen eigentlich mitteilen? Wollte er wirklich die deutsche Schuld an ihren Verbrechen im Zweiten Weltkrieg relativieren? Wollte er darauf hinweisen, dass die Atombombenabwürfe über Hiroshima und Nagasaki oder der Vietnamkrieg der USA nicht minder kriminell waren? Wollte er verschleiern, dass eine erkleckliche Anzahl des internationalen Mammonismus jüdische Zionisten sind? Oder wollte er aufzeigen, dass die Palästinenser an ihrem Schicksal selber schuld sind, und nicht eine verbrecherische zionistisch-anglo-amerikanische Machtclique, die nach dem Holocaust durch vermessene Neuaufteilung des mittleren Osten und die Etablierung des Staates Israel ohne gerechte „Endlösung“ die palästinensische Nakba hervorgerufen hat, weswegen inzwischen nicht nur sechs Millionen (sic!) Palästinenser auf der Flucht sind?
Nun hat Adolf Hitler zur Bekräftigung seiner Rassen- und Weltherrschaftsideologie sicher nicht die Unterstützung des Muftis von Jerusalem benötigt. Aber vielleicht braucht der derzeitige Israelische Ministerpräsident zur Durchsetzung seiner Politik dringend den Zuspruch unserer Noch-Kanzlerin und noch mehr deutsche Waffen!?