Noch ein offener Brief

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Dienstag, 15. Dezember 2015

Wie ich bereits mehrfach kommentierte, sind offene Briefe eine gute Möglichkeit, Mitmenschen an seiner eigenen Botschaft an verantwortliche Anführer der Menschheit teilnehmen zu lassen. Besonders Frau Dr. Merkel hat in letzter Zeit von vielen Seiten solche bekommen. Das liegt sicher nicht nur daran, dass sie vom Time-Magazin noch vor dem IS-Führer Abu Bakr al-Bagdadi und Donald Trump zur bedeutendsten Person des Jahres 2015 gewählt wurde.

Aus unterschiedlichen Gründen hielt ich es für nötig, ebenfalls einen offenen Brief zu schreiben. Und zwar an die meiner Meinung nach bedeutendste Person des Jahres 2015. Wenn Ihnen der Brief gefällt, sagen Sie es weiter. Sie können ihn gern zitieren, in Ihren Blogs verwenden oder irgendwie anders weiterverbreiten.

Sehr geehrter Wladimir Wladimirowitsch,

als Deutscher, der an der „Wende“ 1989 aktiv beteiligt war, nun aber in krasser Opposition zur gegenwärtigen Regierung einer Kanzlerin Angela Merkel steht, habe ich die Entwicklungen in Russland in den 90er Jahren, und nach Ihrer Machtübernahme im Jahre 2000, ständig mit Hoffnungen und Ängsten verfolgt. Mit Bewunderung, aber auch teilweiser Skepsis, habe ich die erstaunliche Stabilisierung Ihres Heimatlandes in wirtschaftlicher und militärischer Hinsicht unter Ihrer Führung beobachtet.
Mit Mut und Geschick haben Sie bislang den Machenschaften des anglo-amerikanischen Imperiums, „Mütterchen Russland“ zu zerlegen, Einhalt gebieten können. Ihre vielfältigen politischen Zeichen, die Sie zuletzt mit „Kalibr“ und anderen überlegenen Waffentechnologien auf dem mittelnahöstlichen Kriegsschauplatz setzten, habe nicht nur ich verstanden, sondern mit Sicherheit auch die Hintergrundmächtigen des Westens.
Leider haben Sie sich in diesen Krieg hineinziehen lassen, wie weiland die Sowjetunion unter Breshnew in das Afghanistan-Abenteuer. Ich gehe davon aus, dass sie dies taten, weil Sie mit wichtigen Gründen daran glauben, dass Verträge eingehalten werden müssen. Daran hält sich der Westen jedoch niemals! Deshalb konnte Ihnen Erdogan in den Rücken fallen und deswegen ist Syrien eine Falle! Sie bekämpfen mit Daesh die Falschen!

In Syrien verteidigen Sie meiner Meinung nach mitnichten „Mütterchen Russland“, sondern allenfalls die Interessen der in Russland ansässigen Öl- und Gasindustrie! Die Globalisten, denen Nationalstaaten und Menschen völlig egal sind, sind Ihnen deshalb voraus. Sie lügen und chambrieren in altgewohnter Weise. Und sie stehen jetzt kurz davor, in Mittelnahost die Früchte der Arbeit der Russischen Föderation und der syrischen Armee zu ernten und ihre Neuaufteilung dieser Region durchzusetzen. Washington verweigert in bewährter kolonialer Manier Syrien und Irak das Recht auf Demokratie, weil das nicht den Bedürfnissen der Globalisten entspricht!
Die Provokation der „bösen Achse“ mit dem Abschuss der SU-24 erfordert eine irreversible politische Antwort: Wladimir Wladimirowitsch, verbünden Sie sich mit den Kämpfern von Daesh und den Kurden! Beide verdienen ihr eigenes Staatswesen! Daesh führt einen gerechten Krieg! Auch wenn es gegenwärtig so aussieht, dass sie ihn gegen Syrien oder Irak führen, möchten die durch die jahrzehntelange Imperialpolitik des Westens Entrechteten und Verzweifelten, die sich den Takfiri-Predigern angeschlossen haben, vor allem ihren eigenen und unabhängigen Staat. Wo ist dabei das Problem? Deren und die Forderungen der Kurden sind gerecht! Was sie glauben und welche Gesellschaftsordnung sie sich wählen, geht weder Washington noch Moskau noch Berlin etwas an. Nur Sie, Wladimir Wladimirowitsch, sind gegenwärtig in der Lage, ihnen das zu garantieren und damit eine grundlegende politische Wende in Mittelnahost herbeizuführen. Das wäre der entscheidende Schlag gegen das anglo-amerikanische Imperium, gegen Erdogan und auch gegen die Wahabiten und könnte Ihnen außerdem dauerhaft die Durchleitungsrechte durch Mittelnahost sichern.

Ich schreibe Ihnen das in dem Bewusstsein, dass Sie über dieses Szenario vielleicht schon längst Bescheid wissen. Manchmal ist es aber so, dass man den Wald vor Bäumen nicht sieht. Und als Deutscher wünsche ich mir nichts mehr, als eine gedeihliche Zusammenarbeit mit BRICS und allen anderen Ländern dieser Welt im Sinne der neuen Seidenstraße.

Sie werden jetzt vielleicht einwenden, Daesh, Taksfiris, Islam, das geht überhaupt nicht! Dem setze ich entgegen: Es geht alles, denn am Schluss eines Krieges und der Bomberei muss man mit jedem verhandeln. Das kann man deswegen auch sofort tun. Und nirgendwo gibt es einen Beweis, dass Islamismus weniger Wert ist als der anglo-amerikanische Mammonismus, die russische Orthodoxie oder der weltweite Katholizismus.
Ich erlaube mir, die Worte unseres wahren Friedenskämpfers Eugen Drewermann über den Krieg zu zitieren: „Krieg ist Verrat an jeglicher Kultur, in dem die Mittel, die er einsetzt, das widerlegen, was er zu verteidigen vorgibt.“
Wir Deutschen und Ihr Russen sollten das in der heutigen Zeit am besten von allen wissen!