Moderater Rebell

Eingetragen bei: Glosse der Woche | 1

Sonnabend, 10. Oktober 2015

Wie ich im Ergebnis der rasanten Weltentwicklung seit dem Zerfall des „Eisernen Vorhangs“ in Europa bis heute erstaunt wahrnehme, hat sich auch in mir in den vergangenen 25 Jahren ein spürbarer Wandel vollzogen. Von welcher Seite am meisten beeinflusst, vermag ich leider nicht festzustellen. Ich bin drauf und dran, Hilfe von „Experten“ zu suchen, weiß aber leider noch nicht, welche Art von ihnen der richtige für mich wäre. Es gibt so unendlich viele und man weiß oft nicht genau, wer sie zu solchen erklärt hat oder ob sie es womöglich nur selbst waren.
Jedenfalls habe ich mich offenbar vom „friedlichen Revolutionär“ der Wendezeit zunächst zum „radikalen Demokraten“ gewandelt, nachdem ich feststellen musste, dass die Staats-Konstruktion der BRD mit einer Demokratie mittlerweile so viel zu tun hat, wie Sex mit einem Sextanten. Die Präsidialdemokratie Frankreichs, gekoppelt mit einem Mehrheitswahlrecht, käme meinen radikalen Vorstellungen dagegen schon näher. Leider haben meine Bemühungen bisher nichts gefruchtet, meine diversen Regierungen (auch wenn ich sie nicht gewählt hatte, sind sie ja „meine“ Regierungen gewesen, da ich nach wie vor ein Teil des Souveräns bin!) zu überzeugen, dass sie gemäß ihrem Amtseid dazu beitragen mögen, in Deutschland eine echte, freie, souveräne, soziale Demokratie herzustellen.
Der globale Antiterrorkampf unserer westlichen Führungsmächte hat mich auf die Idee gebracht, dass ich nur die falsche Methode angewandt habe: Allein mit Reden überzeugt man einfach zu langsam! Deshalb habe ich jetzt beschlossen, dem Vorbild der syrischen „moderaten Rebellen“ zu folgen und zunächst einmal den Rücktritt unserer jetzigen Regierung zu fordern. Gegebenenfalls wäre ich bereit, selber eine neue zu bilden, falls mich der deutsche Souverän per Mehrheitswahlrecht dazu bestimmt. Vorerst bin ich dabei, mir die für „moderate Rebellen“ erforderliche Ausrüstung zu beschaffen. Es steht nämlich zu befürchten, dass meine Regierung andernfalls gar nicht mit mir verhandeln wird.
Dabei habe ich zuerst an einen robusten Pickup vom Typ Toyota „Hilux“ gedacht, der sich beim radikaldemokratischen Kampf im gesamten arabischen Raum seit Jahren bewährt hat. Es kann auch ein gebrauchter sein. Selbst Einschusslöcher würden mich nicht weiter stören. Als Handfeuerwaffe würde ich allerdings die russische Kalaschnikow AK-12 dem HK G 36 vorziehen. Ein paar Stinger- und Panzerabwehrraketen sowie ein gutes altes KORD-SMG würden sich auf dem Hilux ebenfalls gut machen und mich sicherlich „moderat rebellisch“ aussehen lassen. Natürlich dürften ein paar dutzend Handgranaten nicht fehlen. Als Faustwaffe wünsche ich mir eine S&W Chiefs special, für mögliche Überraschungsfälle.
Wenn ich diese Ausrüstung zusammen habe, hoffe ich, dass ich von meiner Regierung als „moderater Rebell“ und nicht als Terrorist wahrgenommen und zu Verhandlungen wegen ihrer Abdankung eingeladen werde. Leider bin ich vom vorgenannten Status noch meilenweit entfernt. Ich habe noch nicht einmal besagten kleinen Revolver von Smith&Wessel.
Sollten Sie, verehrte Leserschaft, an meinem Projekt interessiert sein, wäre ich für Spenden und jegliche andere Unterstützung sehr dankbar. Vielleicht haben Sie ja irgendwo einen Toyota Hilux stehen und ein paar ungebrauchte Stinger im Keller liegen. Ganz allein auf sich gestellt und ohne anglo-amerikanische Hilfe ist es nämlich verdammt schwer, ein „moderater Rebell“ zu werden.

Eine Antwort

  1. Roland Funk

    Ich besitze weder einen Toyota „Hilux“, noch ein anderes Auto, aber, da ich mit einer Kalaschnikow gedient habe, könnte ich meine so erworbenen Kenntnisse zur Verfügung stellen und im „Moderaten Rebellenbund“ mitmachen. Hoffentlich wird unsere Regierung dann endlich hellhörig und für Verhandlungen aufgeschlossen. Aber sie kann auch ruhig ohne Verhandlungen zurücktreten!