Kaffeekränzchen

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Schon ist es vorbei, das teuerste Kaffeekränzchen, welches die Menschheit seit Nero, Caligula und Domitian erlebt hat. Diesmal fand es in Deutschland statt: In Schloss Ellmau im Wettersteingebirge. 20.000 Polizisten und Sicherheitsleute beschützten die Lenker der glorreichen westlichen Sieben, die das vergangene Wochenende mal kurz in einer der herrlichsten Ecken unseres Vaterlandes verbrachten. Das gemeine Wahlvolk und die Anti-G7-Demonstranten sollten das Nachdenken über ihre Zukunft nicht stören.

Der Mainstream schrieb von sieben „großen und wichtigen“ Industriestaaten, die sich trafen, und wir hier unten rieben uns bass verwundert die Augen. Sind es denn nicht mehr die Führer der „größten und wichtigsten“ Länder dieser Welt, die sich auf Einladung UNSERER LIEBEN DEUTSCHEN FRAU in unser oberbayrisches Alpenland begeben haben?

Nein – sind es nicht! Denn weder das wirtschaftlich größte noch das militärisch stärkste waren dabei, mal abgesehen von Indien, Brasilien, Mexiko, Südafrika und Südkorea, die mit dem „völlig isolierten“ Russland wie eh und je Handel und Wandel treiben. Die BRICS-Länder repräsentieren über 40 Prozent der Weltbevölkerung und 25 Prozent des WIP, während die verbliebenen G7 lediglich über 11 Prozent der Menschheit herrschen und (nach eigener Rechnung) 34 Prozent des Weltinlandprodukts erzeugen.

Eins jedoch ist sicher, die G7 sind mit Abstand die Länder, die bei den unsichtbaren internationalen „Geldgebern“ die höchsten Schulden haben. Das aber ficht diesen hehren Diskutierklub nicht an. Denn immer noch denken die Anglo-Amerikaner, dass ihr bisheriges „Geschäftsmodell“ die Welt dominieren könnte. Deshalb sprachen sie statt über ihre Finanz-Probleme über ISIS, Terror, FIFA – und vor allem – über Wladimir Putin. Der war gar nicht dabei, was einige Kolumnisten bedauerten. Er selber wahrscheinlich eher nicht, denn was hätte er mit diesen Realitätsverweigerern auch besprechen sollen? Die Dinge sind nämlich für „den Westen“ vollkommen klar: Putin ist vom Freund und Partner innerhalb zweier Jahre zum Feind Nummer eins geworden. Weil er den Dollar nicht mag! Wie einst vor mehr als zehn Jahren Saddam Hussein, der zum Irakischen Hitler avancierte, weil er nach den Worten der US-Führungselite um George W. Bush al-Quaida unterstützte und Massenvernichtungswaffen sowie 270 Tonnen Plutonium besaß, mit dem er in nur 45 Minuten die USA hätte vernichten können.

War alles nur Quatsch, wie sich später herausstellte und wie Bush und Powell öffentlich zugeben mussten. Doch der Irak war dennoch zerbombt und 600.000 Iraker tot. Nur die Ölquellen flossen noch. 2014 hat dann Russland nach Washingtoner Lesart die Ostukraine und die Krim eingenommen und die EU und NATO haben Poroschenko gezeigt, dass man ihren Versprechungen keinen Glauben schenken kann. Denn sie haben ihm nicht geholfen, sich zu verteidigen und wollen die Ukraine auch nicht in der EU und in der NATO haben. Doch das Assoziierungsabkommen haben sie schon mal in Kraft gesetzt, denn dadurch können die „Internationalen Geldgeber“ jetzt die Ukrainische Schwarzerde kaufen und sich andere Brocken aus dem Ukrainischen Kuchen sichern. Dafür ist die Ukrainische Wirtschaft inzwischen fast zum Erliegen gekommen.

Was dann in Ellmau herauskam, ist billige Rhetorik: Man fährt weiter sinnlose und teure Militärmanöver aller Art dicht an den Grenzen Russlands und droht Putin mit zusätzlichen Sanktionen. Aber einige EU-Staaten warten schon auf den Moment, an dem sie aus den Allianzen ausscheren können. Und auch Japan, das höchstverschuldete Land dieser Erde, hat bereits die baldige Aufhebung der Sanktionen gefordert.

Wir hier unten gehen davon aus, dass der Tag, an dem Deutschland Russland um Wiederaufnahme voller Wirtschaftsbeziehungen betteln wird, nicht mehr allzu fern ist. Hoffentlich vergibt uns Russland dann ein weiteres Mal.

Möglich ist aber auch, dass es die US-Neocons wirklich schaffen, nach den Ukrainern auch noch die Balten und Polen in einen Stellvertreterkrieg gegen Russland zu treiben. Denn sie sind mit Hybris geschlagen und glauben wirklich, dass ein weiterer großer Krieg sie vor dem Untergang retten kann!

Was wird UNSERE LIEBE DEUTSCHE FRAU dann tun?

Für verrückt halten wir sie noch nicht, auch wenn sie hin und wieder mal nach Deutschland zu einem wahnsinnig teuren Kaffeekränzchen einlädt!