Hiroshima 70

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Donnerstag, 6. August 2015

An einem heißen, wolkenlosen Montag, am 6. August 1945, explodierte 8:16 Uhr über der japanischen Stadt Hiroshima die zweite von drei Atombomben, die die US-Amerikaner mit höchstem Aufwand an Geld, Material und Wissenschaftlern seit 1941 in Los-Alamos entwickelt und in Tinian gebaut hatten. Es entstand ein Feuerball mit einer Innentemperatur von über einer Million Grad Celsius. Über 80.000 Menschen waren sofort tot. Die Hitzewirkung ließ noch in über zehn Kilometern Entfernung Bäume in Flammen aufgehen. Von den 76.000 Häusern der Großstadt wurden 70.000 zerstört oder beschädigt. Mehr als 100.000 Verstrahlte starben in Laufe der folgenden Jahre an den Folgen des nuklearen Niederschlags.
Dieser Tage begingen geschichtsbewusste Menschen den 70. Jahrestag dieses weltverändernden Ereignisses und forderten, wie wir hier unten, die Ächtung dieses Massenvernichtungsmittels, das Militärs immer noch als „Waffe“ bezeichnen.
Über dieses Kriegsverbrechen lässt sich keine Glosse schreiben, jedoch über 100 Jahre nach Beginn des Ersten und 70 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkrieges vielleicht einiges zum Zerreißen des Lügengeflechtes, welches zur Rechtfertigung dieser satanischen Ungeheuerlichkeit von den „Lenkern“ dieser Welt verbreitet wurde, hinzufügen.
Eine bedeutende Dokumentation hat dieser Tage der einzige hier noch erträgliche Fernsehkanal ARTE unter dem Titel „Count-Down in ein neues Zeitalter – Hiroshima“ ausgestrahlt. Jedem dem friedlichen Ausgleich und Zusammenleben der Völker verpflichtete, denkende und verantwortungsbewusste Mensch sollte sich diesen Film ansehen. Hier der Link dazu.
Besonders bemerkenswert fanden wir hier unten die Enthüllungen über die Beiträge der Deutschen und der Juden zur Entwicklung dieser ultimativen Suizidmaschine. Am 17. Dezember 1938 gelang den deutschen Chemikern Otto Hahn und Fritz Straßmann am Berliner Kaiser-Wilhelm-Institut für Chemie der Beweis einer neutroneninduzierten Kernspaltung von Uran. Sie gelten daher als die Entdecker der Kernspaltung des Urans. Aber ihre Mitforscher, die deutschen Juden Lise Meitner und Otto Frisch, die sich bereits im schwedischen Exil befanden, waren die ersten, die eine korrekte theoretische Erklärung des Vorgangs in der englischen „Nature“ publizierten. Von Frisch stammt außerdem der Terminus „nuclear fission„ – „Kernspaltung“, der dann international übernommen wurde, während Hahn ursprünglich den Begriff „Uranspaltung“ verwendet hatte. Spätestens seit dieser Zeit fuhren die Nazis ein geheimes Atomprogramm. Hitler soll die Möglichkeiten einer diesbezüglichen Waffenentwicklung jedoch als „jüdisches Teufelszeug“ abgetan haben. Er präferierte die Entwicklung von V-Raketen und Düsenbombern.
Doch nach dem Zusammenbruch fanden die Alliierten versteckte 1000 Tonnen Uran in Deutschland und transportierten es nach Los Alamos. So ist es sehr wahrscheinlich, dass die Hiroshima-Bombe aus Kernmaterial gebaut wurde, welches aus dem „Tausendjährigen Reich“ stammte.
Am 16. Juli 1945 um 5:30 Uhr wurde bei Los Alamos die erste Atombombe der Welt gezündet. Die Wissenschaftler um Robert Oppenheimer und John von Neumann waren von der Gewalt und Schönheit dieser Megaexplosion ebenso begeistert, wie die Militärs um General Leslie R. Groves. Welche Folgen ein solcher Nuklearblitz auf bewohntes Gebiet hatte, war jedoch noch unbekannt, wenn auch vorstellbar.
Harry Truman erfuhr von diesem „Erfolg“ in Potsdam und ihm wurde klar, welche Vorteile der Besitz dieser Bombe im Hinblick auf die Welthegemonie Anglo-Amerikas bot. Dazu aber war die Demonstration ihrer Wirkung erforderlich. Doch während siebzig US-Wissenschaftler ein Memorandum gegen den Einsatz im laufenden Krieg unterzeichneten, setzten sich wie immer die Krieger durch und beschlossen die Abwürfe über japanische Städte. Ursprünglich waren die alte Kultur- und Hauptstadt Japans Kyoto und Kokura, eine Stadt mit großer Rüstungsindustrie, als Ziele avisiert. Das wurde in letzter Minute, auch aufgrund der Wetterverhältnisse, geändert. Aus Hiroshima konnte kein Überlebender das Ereignis nach Tokyo melden. Alle Verbindungen waren unterbrochen. Erst Stunden später meldeten Militärstützpunkte in Hiroshimas Umgebung eine gewaltige Explosion mit unbekannter Ursache. Man glaubte anfangs, ein großes Munitionslager der Garnison sei explodiert. Offiziere, die die Lage vor Ort überprüfen sollten, wurden durch Luftangriffe auf Tokyo daran gehindert.
Die Dokumentaristen von ARTE gingen drei interessanten Fragen nach: Waren diese Ereignisse entscheidend für die Kapitulation der Japaner oder dienten sie einer weiterführenden Strategie, vor allem gegen Stalin und die Sowjetunion? Warum gab es keinerlei Luftabwehr gegen die drei B-29-Bomber, obwohl die japanische Abwehr deren Anflug und ihre Vermutungen, dass sie eine neuartige Bombe abwerfen könnten, an die Tokyoer Führung gemeldet hatte? Und wieso ging die US-Führung nicht auf die zahlreichen japanischen Kapitulationsangebote ein, die nach der Schlacht um Okinawa und die zahlreichen Bombardierungen mit der Auslöschung von 60 japanischen Städten durch die Anglo-Amerikanische Luftwaffe unternommen wurden?
Wie die Wahrheit auch lauten möge, inzwischen gibt es tausende Wasserstoffbomben mit der tausendfachen Sprengkraft der Hiroshima-Bombe und die „Weltenlenker“ der heutigen Zeit glauben immer noch oder wieder, dass Hegemonie über die Völker des Planeten erreichbar ist, wenn es nur gelingt, einen nuklearen Vernichtungsschlag so zu führen, dass die gegnerische Seite zu einem Gegenschlag nicht mehr in der Lage ist. Dafür werden finanzielle Mittel und Manpower ungeheuren Ausmaßes auf allen Seiten sinnlos vergeudet, anstatt ein Weltwirtschaftsprogramm zu starten, was auch in ärmeren Ländern die Bildungs- und Sozialfrage lösen kann, so wie es in Deutschland und Skandinavien nach 1945 gelungen war.
Wir hier unten gehen allerdings davon aus, dass es früher oder später zu einem solchen menschheitsvernichtenden Inferno kommen wird, da die macht- und geldgierigen „Weltenlenker“ ganz offenbar zu wenig Phantasie haben, und sich weder eine friedliche, gerechte Weltentwicklung noch ein nukleares Inferno vorstellen können. Weil ihre Politik global und fundamental gescheitert ist, verbreiteten sich allerorten Chaos, Tod und Leid und unser Harmageddon rückt unaufhörlich näher.
Das schlimmste daran ist jedoch, das wir hier unten uns das alles gefallen lassen!