Flüchtlingshelfer

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Sonntag, 16. August 2015

Bitte, verehrte Leserschaft, verwechseln Sie unsere Gutmenschen, die den tausenden Flüchtlingen, die Europa, zunächst Griechenland und Italien, nun aber auch unser Land überfluten, nicht mit den dubiosen Fluchthelfern. Letztere sind Menschen, die gegen meist hohes Honorar soziale Unterschichten aus Ausbeutungs- und Kriegsgebieten in die reichen Länder Europas schleusen. Flüchtlingshelfer sind alle diejenigen, die sich darum kümmern, dass diese Entwurzelten und Verzweifelten einigermaßen menschenwürdig bei uns unterkommen können, angefangen bei Politikern, Kirchenleuten und anderen Prominenten bis hin zu hilfsbereiten Einzelpersonen und sogar Schauspielern.
Eines der Vorbilder, denen der deutsche Steuerzahler unhinterfragt nacheifern sollte, ist der berühmte und beliebte Schauspieler, Drehbuchautor, Regisseur und Produzent Til Schweiger (52). Der kämpft zur Zeit auf öffentlichen Kanälen und in sozialen Netzwerken um sein etwas ramponiertes Image als Gutmensch. Dabei wurde sein Wirken als amerikanisierter Rambow-Tatortkommissar überhaupt nicht kritisiert, sondern sein umstrittenes Projekt, die stillgelegte „Rommelkaserne“ der Bundeswehr in ein von ihm mit Freunden betriebenes privates Flüchtlingsheim umzuwandeln. Damit das auch voran geht, holte er sich erst einmal den Rat des deutschen Vizekanzlers und SPD-Chefs Sigmar Gabriel.
Nicht alle Steuerbürger der Republik fanden Schweigers Ambitionen nachahmenswert. Einige überschütteten den Flüchtlingshelfer sogar mit Häme und vermuteten unlauteres Profitstreben hinter seinem Vorhaben. Um diese von der Reinheit und Uneigennützigkeit seiner Bemühungen zu überzeugen, argumentierte der Schauspieler in gewohnter Deutlichkeit, so wie wir ihn auch aus dem Film „Inglourious Basterds“ kennenlernten und entwickelte eine ganz neue, in Deutschland eher noch unübliche Streitkultur.
Das ZDF sprang Til Schweiger in seinem Format „Donnerstag-Talk“ zur Seite und der Kinoheld nahm ausführlich zu seiner Unternehmung Stellung, ein Asylantenheim errichten zu wollen. Unser Barde stellte sich als der perfekte Gutmensch dar, so, wie wir ihn schon bei seinem Auftritt vor deutschen Soldaten in Afghanistan kennenlernen durften. Dafür erhielt er frenetischen Applaus, der allerdings ein klein wenig inszeniert wirkte. Die Studiogäste beobachteten nämlich einen Schweiger, der offensichtlich nicht mehr ganz nüchtern war. Entschuldigen für seine Fäkalausdrücke gegenüber Kritikern wollte sich der fast lallende Schauspieler nicht.
Befragt zu der Tatsache, dass sein Freund und Mitstreiter Jan Karras so etwas wie einen Söldnerdienst namens „Greenzone Consulting“ mit 600 ehemaligen Militärs und Sicherheitsspezialisten betreibt, antwortete Schweiger: „Die können dann auch gut auf die Flüchtlinge aufpassen“.
Allerdings thematisierten die Elitejournalisten des ZDF nicht, dass solch ein Flüchtlingsheim auch ein renditeträchtiges Investitionsobjekt sein kann und dass die Käufer der Bundeswehrkaserne in Osterode damit reichlich Geld des Steuerzahlers einnehmen. Überhaupt blieben für uns hier unten eine Menge Fragen offen, auf die die Moderatoren unseres öffentlich-rechtlichen ZDF offenbar einfach nicht gekommen sind:
– Hat Til Schweiger Geld kassiert, um das Projekt mit seinem Namen zu verknüpfen?
– Woher und wie lange kennt er die Betreiber von „Princess of Finkenwerder GmbH & Co KG“?
– Wieviel Kapital hat er selbst investiert?
– Welche Beziehung hat er zur Söldnerfirma „Greenzone Consulting“?
– Warum wurde die Seite www.greenzone-consulting.de vom Netz genommen?
Ob gewollt oder zufällig, der letzte Donnerstag-Talk des ZDF wurde zu einer öffentlich-rechtlichen Werbeveranstaltung für die „Princess of Finkenwerder GmbH & Co KG“, die bislang noch überhaupt keine Erfahrungen mit dem Betrieb eines Asylantenheims hat.
Für uns BRD-Bürger ist das ein bisher unbekanntes Geschäftsmodell, und wir sollten Til Schweiger, Sigmar Gabriel und dem ZDF dankbar sein, dass sie uns gezeigt haben, wie man als wahrer Flüchtlingshelfer agiert und dabei sogar noch seinen Schnitt machen kann.