FIFA 2015

Eingetragen bei: Glosse der Woche | 0

Was haben wir armen Fußballfans hier unten in den letzten Wochen nicht alles überleben müssen: Bayern München wurde ganz vorzeitig Meister. Dann jedoch schossen die Recken der Roten im Pokalhalbfinale vier Elfmeter daneben. Da dachten wir noch, Borussia Dortmund mit Wundertrainer Jürgen Klopp wird Pokalmeister, nachdem in dieser Saison dort fast alles schief ging. Aber es siegte der deutsche Vizemeister von VW. Und dann mussten wir ergrauten „Eisern-Union-Fans“ mit ansehen, dass es mit dem Aufstieg in die erste Liga dieses Jahr wieder nichts wird. Da bietet es wenig Trost, dass es die Leipziger Red-Bull-Mannschaft ebenfalls nicht geschafft hat, sondern dass nur die Ingolstädter Audi-Truppe in der nächsten Saison beim ganz großen Spektakel mitwirken kann. Und Hamburg bleibt nach großem Krimi auch dabei!

Das alles wissen wir hier unten allerdings nur vom Hörensagen, da wir seit geraumer Zeit unseren Lieblingssport im Fernsehen nicht mehr schauen mögen. Das ist unser persönlicher Protest gegen die unablässige Erhöhung des Werbeanteils in allen Sportsendungen, besonders aber bei Fußballübertragungen. Wir gehen höchsten hin und wieder am Sonnabend-Vormittag oder Sonntag-Nachmittag zu unserem heimatlichen Fußballverein, um nicht gänzlich auf Fußballkultur verzichten zu müssen. Dort gucken wir uns das grottenschlechte Spiel der Amateure an, die noch nicht wie wandelnde Litfasssäulen herumlaufen, das jedoch in Drei-D life. Wir trinken dabei zwei Bier und denken über das Phänomen Fußball nach, welches die Menschheit unserer Zeit in einer derartigen Breite erfasst hat, dass es inzwischen zu einem Riesengeschäft geworden ist. A propos Geschäft: Voriges Wochenende fand die Wiederwahl Josef Blatters statt. Dieser Mann ist mit seinen fast 80 Jahren nun zum fünften Mal zum FIFA-Präsident gewählt worden.

Uns hier unten wundert dies in mannigfaltiger Hinsicht: Wie hat er das geschafft, obwohl auf Betreiben des USA-Justizministeriums tags zuvor sieben seiner Topfunktionäre wegen Korruptionsverdachts verhaftet wurden. Es handelt sich um Jeffrey Webb (Kaimaninseln), Eduardo Li (Costa Rica), Julio Rocha (Nicaragua), Costas Takkas (Großbritannien), Jack Warner (Trinidad und Tobago), Eugenio Figueredo (Uruguay), Rafael Esquivel (Venezuela), José Maria Marin (Brasilien), Nicolás Leoz (Paraguay), Chuck Blazer (USA) und Daryll Warner (Trinidad und Tobago); kein Russe und kein Deutscher dabei!

Und an alledem ist, will man der Einheizpresse glauben, Josef Blatter Schuld. Schon seit fast zwanzig Jahren leitet er das FIFA-Geschäft und immer noch ist es ihm nicht gelungen, die Korruption im Weltfußball zu stoppen. So jedenfalls tönte bei Günter Jauch die Fußballenthusiastin Claudia Rot am Sonntag-Abend und die ausgewählten Zuschauer auf den Rängen applaudierten ihr reichlich. Sie war auch dafür, dass Trinidad-Tobago weniger Stimmanteile als zum Beispiel Deutschland oder Japan bekommen. Sie ist eben keine ausgemachte Basisdemokratin! Es war aber auch wirklich anrührend zu sehen, wie diese Grünenpolitikerin vor Moral nur so triefte und so tat, als hätte sie nicht die geringste Vorstellung, wie FIFA und UEFA, Ausschüsse, Verwaltung und Kongress der 209 Nationalverbände „zusammenarbeiten“. Ein Schelm, wer denkt, dass es sich bei ihren Einlassungen nur um blanken Populismus handelte. Vielleicht will sie aber den Kapitalismus abschaffen, wo alles und jeder nur Ware ist und somit alles und jeder gekauft werden kann. Das ist immer nur eine Sache von Angebot und Nachfrage!

Natürlich gehen wir hier unten davon aus, dass die Abgeordnete Claudia Rot dagegen völlig immun ist. Merkwürdig fanden wir allerdings, dass die „New York Times“ schon vor dem US-Schlag gegen Blatter Bescheid wusste und pünktlich zum morgendlichen Festnahmetermin diverse Fernsehteams bereit standen. Als dann in der Jauchschen Sonntagabenddiskussion noch klargestellt wurde, dass die Vergabe der WM 2022 nach Katar möglicherweise auch eine Frage des Kaufpreises war und nicht nur die UEFA, sondern auch große deutsche Konzerne, welche Spezialisten im Stadionbau mitten in der Wüste sind, dahinter stecken könnten, war uns schon alles egal. Nun freuen wir uns jetzt schon, in sieben Jahren im Advent mal zur Abwechslung zum Vorweihnachtsgeschäft Fußball gucken zu können.

Bleibt eigentlich nur noch ein Grund übrig, warum die tugendhafte US-Justizministerin einen solchen Schlag genau einen Tag vor der Wiederwahl des Putinfreundes Josef Blatter gegen den Weltfußballverband führen ließ: Die WM 2018 in Russland. Die muss weg!

Oder fällt Ihnen, verehrte Leserschaft, ein plausiblerer Grund ein?