Delphi

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Seit wann das Orakel von Delphi existierte, können uns die Altertumsforscher leider nicht genau sagen. Der Zeitpunkt der Übernahme des uralten griechischen Heiligtums durch den neuen Gott Apollon ist ebenfalls nicht mehr feststellbar. Im achten Jahrhundert vor Christus soll dann Pythia auf einem Dreifuß über einer Erdspalte gesessen und im Namen Apollons geweissagt haben. Was genau sie dabei eingenommen hat, ist unbekannt. Der Überlieferung nach stiegen aus der Erdspalte Dämpfe auf, die Pythia in einen Trancezustand versetzten, wodurch sie die Dinge klarer sehen konnte. Alle Politker und Heerführer Griechenlands, die nicht weiter wussten, gingen nach Delphi, um sich von Pythia Ratschläge geben zu lassen. Das Ende des Delphischen Orakels befahl der christliche Kaiser Theodosius I., der 391 nach Christus alle „heidnischen“ Orakelstätten des Oströmischen Reiches durch sein Edikt verbot.
Heute, im Jahre des Herrn 2015, fällt uns dieses Verbot gewaltig auf die Füße. Denn weder die griechischen Regierungen noch die Kommissäre der Europäischen Union haben eine Ahnung, wie die westliche Finanz- und Wirtschaftskrise, die seit 2008 unsere Welt heimsucht, überwunden werden könnte. Da täten ihnen einige weise Ratschläge der bekifften Pythia vielleicht gut.
Natürlich ist uns hier unten nicht entgangen, dass sich zahlreiche, wenn nicht gar unzählige Wirtschaftsweisen, Hinterbänkler und Mediengurus aus ganz Europa heutzutage ebenfalls im Weissagen versuchen und orakeln, wie sich durch eine noch härtere „Austeritätspolitik“ vielleicht doch noch ein Aufschwung in den südlichen Ländereien der Eurozone organisieren ließe. Doch ein funktionierender Plan scheint partout nicht zu gelingen, was diese Herrschaften sich dabei auch einwerfen oder rauchen mögen. Zwar hat der Chefunterhändler der Euroländer, der deutsche Finanzminister Wolfgang Schäuble, gerade eben die Syriza-Regierung und den Salonrevoluzzer Varoufakis pulverisiert. Dennoch ist die Ratlosigkeit, wie im Ursprungsland der westlichen Zivilisation der Niedergang bekämpft werden soll, weiterhin groß.
Vielleicht stimmt es ja auch gar nicht, dass die Regierung des bundesdeutschen US-Protektorats für die Washingtoner Neocons den Zuchtmeister Europas spielen soll. Vielleicht warten Schäuble und Merkel ja genau wie wir hier unten auf den baldigen Zusammenbruch des Papier-Dollars und halten deshalb den Euro mit äußerster Anstrengung als Reservewährung am Leben!?
Wenn es so wäre, könnten sie das weder uns noch den Medien erzählen. UNSERE LIEBE DEUTSCHE FRAU könnte es nicht einmal ihrem Handy anvertrauen. Denn wenn niemand mehr für den Greenback etwas hergeben will, sind auch die amerikanischen Legionen, die auf allen Weltmeeren herumschippern, nur noch Papiertiger und die Neocons verschwinden in Orkus der Geschichte.
Noch allerdings sind die BRICS-Staaten nicht so weit. Doch „im Osten geht gerade die Sonne auf. Und im Westen ist ihr Untergang vorbereitet“.