Willkommenskultur

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Geschrieben von Ken Jebsen am 4. März 2014
Angela Merkel wirft Putin Völkerrechtsverletzung vor. So die neueste Spiegel Online-Schlagzeile. Putin hat die in der Ukraine stationierten Truppen in Alarmbereitschaft versetzt. Sie überwachen den russischen Marinestützpunkt Sewastopol. Das haben sie quasi immer getan. Die Ukraine gehört seit dem 18. Jahrhundert zu den Partnern Moskaus. Jetzt also verletzt dieser Putin, laut Merkel, das Völkerrecht in der Ukraine.Ist das so?
Die Ukraine ist kein homogenes Land. Es gibt Regionen, die werden vorwiegend von Russen bewohnt. Dort wird Russisch gesprochen. Schon immer. Rechte Splittergruppen in der Ukraine haben die letzten Tage offen dazu aufgerufen, Terroranschläge gegen die Bürger mit russischem Hintergrund durchzuführen. Wo war da die Sorge von Angela Merkel um das Völkerrecht?
Reden wir nicht lange um den heißen Brei: Dem Westen geht es vor allem um das Schlucken der Ukraine. Ausführendes Organ: die NATO. Wenn das nicht klappt, soll die Ukraine wenigstens gespalten werden. In Washington wünscht man sich nichts mehr, als dass die Krim und damit der wichtigste russische Marinestützpunkt Sewastopol an den Westen fällt. Hier würde nach dem Verlust für Russland bald die US-Navy ihre Schiffe parken. Dann aber hätte die russische Schwarzmeer-Flotte ein Problem. Sie könnte die gesamte Region nur noch sehr schwer kontrollieren. Wer dabei in jedem Fall seine Unabhängigkeit verliert, sind die Bürger der Ukraine. Ihre Interessen zählen aktuell überhaupt nicht. Dass die Ukraine weder von der NATO noch von der russischen Föderation geschluckt werden will, dass sie unabhängig bleiben möchte, wurde jetzt in einem vierminütigen Video von Anonymous Ukraine veröffentlicht. Cyberwar ist Realität geworden.
Warum das Geschacher um die Ukraine, Syrien  etc? Sehen wir endlich das komplette Bild! Es geht um die Kontrolle von Öl und Gas im gesamten Eurasischen Raum. Halford MacKinder lässt grüssen.
Russen und Chinesen arbeiten eng zusammen. Beide gehören der Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit an. Es geht um einen gigantischen Markt, den sich die Russische Föderation und China teilen, und der bei seiner Wachstumsgeschwindigkeit massiv Energie benötigt.  Putin verkauft russisches Gas und Erdöl immer erfolgreicher über die Rohstoffbörse in St. Petersburg. Auch der Iran verkauft hier sein schwarzes Gold. Kleiner Haken. Gehandelt wird gegen Rubel. Nicht gegen Dollar. Das ist eine Kriegserklärung an die US-Währung die nur durch die Dollarbindung einen künstlichen Wert erhält, den sie ohne diesen Knebel nicht hätte. Wer versucht, sich beim Ölhandel vom Dollar zu trennen, bekommt Besuch. Das war der eigentliche Grund der USA, den Irak platt zu machen. Saddam Hussein hatte den irakischen Ölsektor auf Euro umgestellt. Kaum war der „Aggressor“ weg vom Fenster, die Ölförderung wieder in amerikanischer Hand, wurde das „Oil for Food“-Programm beendet und die irakischen Eurokonten wieder auf Dollar umgestellt. Russland kann man nicht so leicht angreifen. Es besitzt Atomwaffen.

Weit „gefährlicher“ für die USA aber ist das sogenannte PSA-Gesetz, das Putin 2006 autorisierte. Seit dieser Zeit sind ausländische Ölförderer in der russischen Föderation nur noch Juniorpartner. Die Gewinne bleiben größtenteils wieder im Land. Die Devisenreserven Putins werden zu 30 Prozent in Euro angelegt. Der Rest in Dollar. Dieses Verhältnis soll auf 50/50 ausgebaut werden. Der Kriegsplan gegen Putin begann also, als dieser beschloss, die Gewinne mit russischem Gas und russischem Öl in Russland zu belassen.
Unter Vorgänger Boris Jelzin war das völlig anders. Zehn Jahre lang förderten vor allem amerikanische und britische Konzerne in der zerfallenden UdSSR Gas und Öl, ohne dass Russland selber daran verdient hätte. Oft musste Moskau sogar für die entstandenen Kosten bezahlen – die von den Konzernen immer höher beziffert wurden. Kein Witz. Russland ging beim Verkauf von Bodenschätzen über zehn Jahre nahezu leer aus. Russische Wohnungen waren im Winter oft eiskalt, denn sämtliche Energie wurde ins Ausland verkauft. Korruption hatte Hochkonjunktur in dieser Zeit, als auf dem Energiesektor „privatisiert“ wurde. Es herrschte Goldgräber-Stimmung. Das Gold ging ins Ausland. Was blieb waren die Gräber. Personen wie Michael Chodorkowski oder Julia Timoschenko machten in dieser Zeit hunderte von Millionen Dollar. Das Geld floss ab. Zum Beispiel in die Schweiz.
Wladimir Putin hat 2006 die Energieversorgung wieder unter nationale Kontrolle gebracht. Im Anschluss eroberte Moskau neue Absatzmärkte in Asien. Dafür hassen ihn die Ölkonzerne im Westen, die mit gigantischen Summen auch die EU-Politik bestimmen; Volksvertreter und Presse kaufen. Verdeckt natürlich. Geld spielt keine Rolle, denn das, was es zu gewinnen gibt, ist enorm. Wenn nichts mehr geht, Destabilisierung von außen nicht so recht greifen will, wird die Menschen- oder Völkerrechtskarte gezogen.
Putin ist ein Mann, der die Muskeln spielen lässt, wenn es um die Verteidigung der eigenen Nachbarschaft geht. Das mag man finden, wie man möchte, nur Putin führt keinen Drohnenkrieg weit außerhalb der russischen Föderation. Es existiert auch kein russisches Guantanamo. Und Putin hört nicht den Rest der Welt ab. Putin gewährt einem Edward Snowden Asyl, was Angela Merkel hingegen nicht „darf“.
Absurd ist es, dass ausgerechnet unsere Kanzlerin in Sachen Ukraine von Verletzung des Völkerrechts spricht, während sie wohl noch unterm Jetlag der Tel Aviv-Reise leiden müsste. Kaum ein anderes „demokratisches Land“ der Welt verstößt täglich massiver gegen das Völkerrecht als Israel. Das sagt selbst Amnesty International.  Das scheinheilige Land, unser „Partner“ im Mittleren Osten, für den die BRD jetzt auch noch Konsularische Aufgaben übernimmt.
Völkerrechtsverstoß? Missachtung des Völkerrechts? Als Protestnote aus dem Munde von Angela Merkel? Da hat selbst ein Pispers oder ein Schramm Probleme, eine Pointe zu formulieren, die diese Realität noch topt.
Die Ukraine soll Teil der NATO werden, um Moskau immer weiter zu schwächen und die gesamte Region wieder unter die Kontrolle derer zu bringen, die im internationalen Öl- und Gasgeschäft sind und dann nur gegen Dollar verkaufen. Dass wir das nie in der „freien“ Westpresse lesen, hat einen simplen Grund. Ohne die Anzeigen der großen Energiekonzerne wären unsere „unabhängigen“ Printmedien schon übermorgen pleite.  Und wen du nicht über die Anzeigen kontrollierst, den kontrollierst du über interne Kollegen. Alpha-Journalisten, die dann die „Öffentliche Meinung“ vorgeben.

Es gibt das Internet. Das Meinungsmonopol des Staates und derer, die ihn finanzieren, ist gebrochen. Noch erreicht man hier nicht die Mehrheit der Bürger. Aber es werden immer mehr. Aus diesem Grund spricht unsere Kanzlerin auch nicht mehr über die NSA-Affäre. Sie darf nicht. Affäre beendet! Basta.
Demokratie war ursprünglich gedacht als Herrschaft über das Volk – durch das Volk. Das Volk hat keine Stimme. Das, was wir Volksvertreter nennen, sind nichts anderes als die Pressesprecher der Industrie. Auch in der Ukraine geht es um private Interessen von Konzernen. Und damit wir schon übermorgen wieder Deutsche Soldaten – im Rahmen einer „Peacekeeping Operation“ und im Auftrag der NATO – in Richtung Kiew schicken können, seift uns Mutti Merkel mit Formulierungen à la „Verstoß gegen das Völkerrecht“ ein. Wer gegen den Verstoß des Völkerrechts kämpfen will, schickt Bomber. Ist das so richtig, Angela?
Wer Terroristen bekämpfen will, lässt die Zivilbevölkerung via Drohen in die Luft sprengen, richtig Barack? Wer seine Börsenkurs steigern verteidigen will, ruft zum Krieg für mehr Völkerecht in der Ukraine! Wir mögen dumm sein, aber so dumm? „Alle Staaten setzen Vorbereitung auf G8-Treffen in Sotschi aus“, schreibt der Spiegel, um zu suggerieren, DIE Welt stünde hinter ihr. Aber wer sind diese „ALLE STAATEN“, die drohen, den G8-Gipfel in Sotschi platzen zu lassen. Es sind die sieben führenden Industrienationen. „Führend“ sagt alles. Sind die USA, GB, Frankreich, Japan, Italien, Deutschland und Kanada wirklich noch führend? Kommt es bei insgesamt 193 Staaten auf diese Gruppe noch an?
Als man versucht hat den Iran zu isolieren, und der die Blogfreien Staaten nach Teheran lud, fordert die Westpresse als Stimme dieser „führenden“ Staaten den Iran dazu auf, seine „Isolation“ aufzugeben. Von den 193 Staaten hatten es 120 nach Teheran geschafft. Sieht so Isolation aus? Aktuell warnt Außenminister John Forbes Kerry Moskau davor, den vom Westen provozierten Kurs weiter zu verfolgen. Auch die NATO ist entsetzt. Wie glaubwürdig aber ist gerade die NATO, wenn es darum geht, seinen Vorgarten, die Krim, nicht verteidigen zu dürfen, während die NATO selber seit Jahren weit außerhalb der eigenen Befugnisse Ressourcenkriege führt? Wir messen ständig mit zweierlei Maß. „Double standards“ als DNA unseres Handels. Das ist nicht fair. Nicht gerecht. Und führt immer zu Konflikten. Immer. No peace, no justice, no justice, no peace.
Wir aber, das NATO-Bündnis, suchen diesen Krieg regelrecht, denn wir wissen, dass wir dem Gegner bei einem konventionellen Krieg haushoch überlegen sind. Nur wie reagiert ein Staat, der über Kernwaffen verfügt, wenn man ihn in die Enge treibt? Das ist ein sehr sehr gefährliches Spiel, das die USA dann aber in Europa spielen. Also auswärts. Ein möglicher atomarer Schlagabtausch der USA mit Russland findet dann nicht vor den Toren Washingtons statt, sondern in Steinwurfnähe Berlins.
Sind diese NSA-Staaten wirklich unsere Freunde, wenn sie derartige Spiele direkt vor unserer Nase veranstalten? Eben noch wegen der Aussicht auf Olympisches Gold nach Sotschi reisen, und Tage später weiter kämpfen. Nur eben bewaffnet?  Wir schreiben das Jahr 2014. Vor exakt 100 Jahren begann der Erste Weltkrieg.  Die Kettenreaktion in Europa über Jahrzehnte sollte bekannt sein. Ist sie das noch? Wer hat überlebt? Wer biss ins Gras? Nun, im großen Ganzen mussten nur die sterben, die nicht reich genug waren, um das Weite zu suchen. Wer Geld hatte, richtig Geld, der verdiente an beiden Weltkriegen und hat das Geld gut investiert. Z.B. in Rüstungsfirmen, mit denen er dann wieder Krieg führen konnte.  Auch der IRAK wurde so erschlossen. Erst kamen allerdings die Bomber.
Krieg ist ein Investment. Der Aktionär mit Streubesitz verdient zuerst an jeder einzelnen Streubombe und dann an der Beute. Ganz vorne Öl und neuerdings Gas. Energiekonzerne sind der Boss am Set. Wie mächtig sie sind, wissen wir in der BRD von der Atomindustrie. Energiemultis sprechen zu uns, wenn wir von Mainstream-Vertretern aus Presse und Politik hören, in welchem Landstrich „nur ein beherztes Eingreifen Schlimmeres verhindern“ könnte. Die lancierten Appelle, Einschätzungen und Maßnahmen dieser Privatfirmen kommen immer zum selben Schluss: „Da muss man was machen!“
Ja? Na dann mach doch selber, lieber Großaktionär. Sterben to go? Bitte, nach Ihnen! Setzen Sie sich doch in den Privatjet und stehen Sie in der ersten Reihe, wenn es darum geht, das Völkerrecht zu verteidigen!
Ideale Kandidaten für dieses Kiew-Killer-Kommando findet man, wenn man sich an die 85 reichsten Menschen der Welt wendet. Sie besitzen so viel wie die Hälfte der Menschheit. Also 3,5 Milliarden Menschen. Diese 85 Menschen müssen nicht mehr für ihr Geld arbeiten. Sie haben Zeit. Nur zu, auf nach Kiew. Benutzten wir unser Gehirn. Wir brauchen auf diesem Planeten einen anderen Verteilerschlüssel. Zu viele Menschen haben gar nichts, immer mehr haben zu wenig, dann kommen die, bei denen es gerade so reicht, gefolgt von einer Kaste, die im leichten Luxus lebt, und ganz oben haben ganz wenige die Hälfte von allem. Diese Menschen, der kleine Kreis der Wirtschaftselite, und das von ihnen geschaffene System sind das Problem. Diesen Menschen kann man nicht mehr helfen. Sie leiden unter GIER. Einer Krankheit, die den Geist angreift. Über Leichen gehen lässt.
Wir sollten uns davor hüten, auf diese Menschen zu hören. Sie sprechen zu uns über die üblichen Verdächtigen. Man erkennt ihre Botschaften daran, dass sie Gewalt befürworten. Krieg ist für diese Menschen Mittel zum Zweck. Wir können diese Machtjunkies nicht weltweit verhindern. Aber wir sollten sie nicht weiter in Europa agieren lassen. Europa war über Jahrhunderte ein Ort des Schreckens. Jede Generation hat mindestens einen Krieg miterlebt oder unter den Folgen eines Krieges zu leiden.
Europa kann auf Krieg verzichten. Wir spielen alle im selben Team. Und zu diesem Team gehört auf jeden Fall auch Russland und die Russische Föderation. Russland ist unser Nachbar. Er wohnt zwei Straßen weiter. Wir können Moskau oder Kiew über den Landweg erreichen. Beide Städte sind uns viel näher als Washington D.C. oder Hollywood.
Wenn wir uns aus Übersee gegen Russland aufhetzten lassen, müssen wir uns selber an die Nase fassen. Wie kann es sein, dass uns Amerikaner erzählen wollen, wie unsere Nachbarn ticken? Wieso wissen wir das nicht selber? Würde sich ein Texaner von einem Deutschen erklären lassen, was er von Mexiko zu halten hätte? Würde Texas gegen Mexiko Krieg führen, weil Berlin das nahelegen würde?
Was wir 2014 dringender denn je benötigen sind Austauschprogramme zwischen der BRD und der Russischen Föderation. Zwischen Berlin und Kiew. Wir sollten uns selber ein Bild von unseren Nachbarn machen, anstatt uns durch okkupierte Medien gegen unsere Nachbarn aufhetzen zu lassen. Wer hätte etwas von einem Zwist zwischen Russland und der BRD? Wenn zwei sich streiten, freut sich der dritte. Wer ist dieser Dritte? Als Muhammed Ali für die USA in den Vietnamkrieg ziehen sollte, um dort für Bürgerrechte zu kämpfen, die ihm als Afroamerikaner in Amerika selber nicht zuteil wurden, weigerte er sich mit den Worten: „Ich habe kein Problem mit dem Vietnamesen. Kein Vietnamese hat mich je Nigger genannt“

ICH habe kein Problem mit DEM Russen! DER Russe hat mich nie abgehört. DER Russe versucht nicht, mir genmanipulierte Nahrung unterzujubeln. DER Russe hat mich oder meine Freunde im Ausland auch nie mit Drohnen attackiert. DER Russe foltert nicht öffentlich. Im Namen der Freiheit. DER Russe zwingt mich auch nicht, am „Krieg gegen den Terror“ teilzunehmen, indem er deutsche Soldaten an Verbrechen gegen das Völkerrecht beteiligt. ICH kenne selber überhaupt nur drei Russen persönlich. Wir verstehen uns prima und sind uns in Sachen Putin einig. Der Mann ist ein Spitzenpolitiker und hat seine Ausbildung beim KGB genossen. Er spricht und versteht Deutsch. Alles was Putin tut oder lässt, tut er aus Überzeugung. Putin ist Russe. Er liebt Russland und ist nicht angetreten, um Russland an Oligarchen aus dem Inland oder Superreiche aus dem Ausland zu verhökern. Das macht ihn für den Westen suspekt. Putin kann man nicht kaufen.
ICH muss Putin nicht mögen, aber ICH muss auch keinen Krieg gegen ihn führen. Wäre ICH ein unabhängiger Spitzenpolitiker, z.B. aus den USA oder der BRD, würde ich mich in ein Flugzeug setzen und mich mit Putin und den Intellektuellen aus Kiew an einen Tisch setzen. Wir würden reden. Unser Thema wäre UMVERTEILUNG.
Wer das soziale Gleichgewicht herstellen will, kann auf das Gleichgewicht der Kräfte verzichten. Menschliches Miteinander statt militärisches Gegeneinander. Wir brauchen keine „Besucher“ in Uniform. Wir brauchen Besucher in Form von Ingenieuren, Lehrern, Künstlern… Ich wette, Putin sieht das alles ähnlich und er würde sich über mehr Zusammenarbeit mit der BRD riesig freuen. Wandel durch Handel! War das nicht mal DER Slogan schlechthin? Let‘s do it!