Waldai

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Offen gesagt, verehrte Leserschaft, hatten wir hier unten bis vor kurzem noch nicht die leiseste Ahnung, was der Begriff „Waldai“ bedeutet. Doch dann hörten wir ein Rauschen im internationalen Mediendschungel, weil Wladimir Wladimirowitsch Putin auf dem allda stattfindenden elftem der alljährlichen Foren eine außergewöhnliche Rede gehalten haben soll.

Im Rahmen der Aufregungen und Diskussionen zum 25. Jahrestag der so genannten friedlichen Revolution bei uns und in den westeuropäischen Satellitenstaaten der ehemaligen Sowjetunion wäre diese Angelegenheit auch beinahe untergegangen, wenn nicht Michael Gorbatschow anlässlich seines Besuches in Berlin die Sprache darauf gebracht und behauptet hätte, dass dies die beeindruckendste und aufrüttelndste Rede des gegenwärtigen russischen Präsidenten gewesen sei und die Welt, besonders aber UNSERE LIEBE DEUTSCHE FRAU, die richtigen Schlüsse daraus ziehen sollte.

Also tat ich zweierlei: Ich suchte auf der Landkarte die Lage des russischen Örtchens, wo sich die hochrangigen russischen und internationalen Politstrategen zum alljährlich Talk treffen, und im Internet nach dem Wortlaut der Rede Putins. Letzteres war mit einigen Problemen verbunden, schließlich aber fand ich hier eine einigermaßen authentische Übersetzung: www.chartophylakeion.de

Bei diese Rede ließ der russische Führer die üblichen diplomatischen Verbrämungen völlig beiseite und redete, wie man so schön sagt, tacheles über den gegenwärtigen Zustand unserer Welt, was womöglich ein Zeichen dafür ist, dass ziemlich stürmische Zeiten bevorstehen. Unsere Einheizpresse und der amerikanische Drohnenkiller mit dem Friedensnobelpreis haben entsprechend gegengehalten. Allerdings geriet der US-Präsident beim nachfolgenden APEC-Treffen in Peking etwas ins Abseits. Und vom nachfolgenden G-20-Treffen in Brisbane reiste Wladimir Wladimirowitsch vorzeitig ab. Wahrscheinlich weil ihm unsere ehemalige FDJ-Sekretärin bei ihren mehrstündigen Unterredungen den letzten Nerv geraubt hatte.

Obama seinerseits verlautbarte: „Wir sind auch sehr standfest in der Notwendigkeit, den Kern der internationalen Prinzipien aufrecht zu erhalten … man marschiert nicht in andere Länder ein oder finanziert Proxies und unterstützt diese in einer Art, um ein Land auseinander zu brechen, das Mechanismen hat für demokratische Wahlen.

Das möchten auch wir hier unten mehrfach unterstreichen. Dabei verweisen wir auf die unzähligen Friedensmissionen, die die Anglo-Amerikaner in den letzten fünfzig Jahren auf der ganzen Welt mehr oder weniger erfolgreich durchgeführt haben. Jetzt warten wir auf besagten Einmarsch der Russen in die Ukraine. Putin zögert noch, obwohl ihn die Kanzlerin bereits mehrfach aufgefordert hat, die dortige Krise endlich zu beenden. Erst einmal hat er seine Kriegsschiffe vor Australien kreuzen und schwere Bomber durch den Golf von Mexiko fliegen lassen. Bei solcherart Provokationen ist es kein Wunder, dass der Westen schon fast offen mit einem Verteidigungs-Krieg gegen Russland droht. Vermutlich deshalb probt die NATO derzeit ihre Kampfkraft – vielleicht auch ihre Kampfmoral – in Litauen, direkt an der Nordgrenze Russlands.

Wir hier unten bezweifeln ein wenig, dass der Westen gegen die BRICS-Staaten, sozusagen die halbe Welt, einen siegreichen Feldzug führen kann, der ihm aus seiner eklatanten Schuldenkrise rettet. Offensichtlich sind die anglozionistischen Führer durch die weltumspannende militärische Präsenz der NATO in allen Weltmeeren, besonders vor den Küsten Chinas, Afrikas und Russlands, in allen Lüften und in allen elektronischen Netzen von einer gewissen Weltmacht-Hybris erfasst worden. Die so genannte Wolfowitz-Doktrin nährt jedenfalls einen solchen Verdacht.

Es waren auch schon früher Mächtige von dieser Krankheit befallen worden. Sie alle, ob sie nun Alexander, Nero, Caligula, Konstantin, Napoleon, Hitler oder Stalin hießen, haben ein schlimmes Ende genommen. Mit ihnen allerdings abertausende so genannte Unschuldige – falls man von Unschuld reden kann, wenn man solche Unmenschen ohne ernsthafte Gegenwehr gewähren lässt.

Und dieser Gedanke ist gar nicht mehr lustig.