Verbraucher

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In erster Linie sind wir ja wohl Menschen!

Dazu gibt es auf Erden auch die notwendigen Konventionen. Zum Beispiel die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte, die 1948 von den Vereinten Nationen verkündet wurde. Oder die Europäische Menschenrechtskonvention, die im Jahre 1950 von den EWG-Ländern erarbeitet wurde, und die von jedem neuen EU-Mitglied unterschrieben werden muss.

Darüber hinaus sind wir aber auch Personen. Unsere Persönlichkeitsrechte sind im wesentlichen im Bürgerlichen Gesetzbuch der Deutschen aus dem Jahre 1900 verfasst worden. Nach Artikel I des aktuellen bundesdeutschen Grundgesetzes besitzen wir sogar eine Würde! Die erwachsenen Mitbürger sind außerdem Personal und haben deshalb Personal-Ausweise. Bis zum Mauerfall 1989 waren wir Ostdeutschen Personal der sowjetischen Besatzungszone, mithin der so genannten DDR. Jetzt sind wir das nicht mehr, sondern solches der Bundesrepublik Deutschland, die gemäß dem „Dreimächtestatus“ allerdings weiterhin von Amerikanern, Briten und Franzosen besetzt ist. Personen der BRD werden manchmal auch als Staatsbürger bezeichnet. Staatsbürger sind in aller Regel Mitglieder eines Nationalstaates. Es können aber auch Zugewanderte oder in der Fremde wohnende Menschen eines Landes sein. Manche sind sogar Staatsbürger zweier Staaten. Heutzutage ist man hierzulande überdies Bürger der Europäischen Union. Manche geben bei Wahlen ihre Stimme ab und werden zeitweilig Wahlbürger.

Die wichtigste Teilmenge eines staatlichen Personalbestandes sind wahrscheinlich die Steuerzahler. Denn mit ihren Geldabgaben halten sie das gesamte Staatsgebilde am Laufen. Dabei darf allerdings nicht übersehen werden, dass nur jene Steuerzahler, die als Arbeitnehmerinnen oder Arbeitnehmer produktive Arbeit leisten, das Steueraufkommen wirklich erarbeiten. Der Rest ist nur Umverteilung. Manche versuchen aus bestimmten Gründen, das Steuerzahlen zu vermeiden.

Somit ist die Menge aller Menschen, die in einem Land leben, nicht identisch mit dessen Staatsbürgern oder dessen Personal oder dessen Steuerzahlern. Deshalb gibt es seit vielen Jahrzehnten einen Begriff, der überstaatlich alle Menschen vereint, nämlich den des Verbrauchers. In der kapitalistischen Wirtschaft ist der Verbraucher die allerwichtigste Person im gesellschaftlichen Verkehr. Denn er verbraucht das, was sinnvoller- oder sinnloserweise hergestellt wird und zudem Profit abwirft. Unabhängig von Religion, Hautfarbe oder Staatsangehörigkeit sind wir alle Verbraucher – eine weltumspannende Community, die alles Mögliche verbraucht.

Politisch korrekt handelt es sich natürlich um Verbraucherinnen und Verbraucher. Doch auch Kinder, ja sogar Säuglinge und – wir wissen es allerdings noch nicht ganz genau – höchstwahrscheinlich auch Embryonen, können als VerbraucherInnen aktiv werden. Nach derzeit vorherrschender Meinung kann „die Wirtschaft“ nur florieren, wenn Verbraucher möglichst viel verbrauchen. Deshalb tritt auf der ganzen Welt die Werbeindustrie auf, um Verbraucher zu noch höherem Verbrauch zu animieren. Die Vertreter dieser merkwürdigen Volkswirtschaftslehre sind der Auffassung, dass nur ständiges Wachstum des Verbrauchs einen Sinn ergäbe. Die unablässige Verbreitung der Ideologie des beständigen Wachstums des so genannten Bruttosozialprodukts, zu dem sie sogar Rüstungserzeugnisse und Finanzprodukte zählen, wird in der westlichen Welt kaum hinterfragt und greift nun auch in der östlichen Welt um sich.

Allerdings gab und gibt es einige Philosophen, die überlegen, was die Menschheit wirklich braucht und dass es Grenzen geben könnte, unsere Erde zu verbrauchen. Grenzen des Wachstums! Diese Apologeten des Nullwachstums wollen uns zu geringerem Verbrauch anspornen. Sie meinen, dass eine Reduzierung, ja sogar ein Stopp des Wachstum des Verbrauchs wie der Anzahl der Verbraucher der Menschheit dienlicher wäre. Sie befürchten, dass das dauernde Wachstum unsere Spezies wie ein Krebsgeschwür vernichten wird.

Wir hier unten sind uns nicht ganz sicher, ob ein Stopp des Verbrauchs oder eine Minderung desselben positiv für die Menschheitsentwicklung wäre. Schließlich könnte es mit dem Fortschritt der Wissenschaft möglich sein, immer weitere Ressourcen innerhalb und außerhalb unserer Erde zu erschließen. Wichtig ist ja wohl auch, was auf welche Weise verbraucht wird. Vielleicht liegt das Problem gar nicht so sehr im Wachstum des Verbrauchs, sondern in der Ideologie des unablässigen Wachstum des Profits. Denn wenn die Ernte der menschlichen Arbeit nach sozialen Gesichtspunkten verbraucht würde, begänne vielleicht sogar ein Rückgang der Verbraucherzahlen. Deshalb scheint es uns eher richtig zu sein, das Wachstum des Profits zu stoppen.

Wir hier unten hegen nämlich schon lange den Verdacht, dass uns unsere Reduzierung zum „Verbraucher“ unsere Bestimmung als soziales Wesen, eben als Menschen, glatt vergessen lässt.