Sicherheit 2014

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Leider endete das alte Jahr nicht so friedlich, wie wir es für Sie, verehrte Leserschaft, ebenso wie für uns hier unten, erhofft hatten. Am 29. und 30. Dezember erschütterten gleich zwei schwere Selbstmordattentate hintereinander die russische Schicksalsstadt Wolgograd, das frühere Stalingrad. Insgesamt starben beim Bombenanschlag auf einen Linienbus 16 Passagiere und beim Attentat im Bahnhof der Stadt am Sonntag 18 unschuldige Menschen. In Kliniken in Wolgograd und Moskau werden noch 64 Verletzte behandelt. Wolgograd liegt etwa 700 Kilometer von Sotschi entfernt. Und deswegen werden die Anschläge nicht nur von allen Russen einschließlich Wladimir Putin mit Angst und Sorge zur Kenntnis genommen.

Soeben hatte der russische Präsident seine Friedensbereitschaft unter Beweis gestellt, indem er den Freiheitskämpfer und Kremlkritiker Michail Chodorkowski begnadigt und die Moskauer Kulturschaffenden Pussy-Riots freigelassen hatte. Nach langem diplomatischen Ringen ist es der westlichen Welt unter Führung des begnadeten Geiselbefreiers Dietrich Genscher gelungen, den Kreml zu diesem lange überfälligen menschlichen Akt zu bewegen. BILD und alle freiheitsliebenden Menschen nicht nur unseres Landes freuten sich über die Maßen und schritten voller Hoffnung zu den Feiern des Jahreswechsels, um das Neue Jahr 2014, in welchem uns so viele glücksverheißende Events erwarten, würdig und unter Abfackeln von mehrere hundert Millionen Dollars kostenden Silvesterfeuerwerken zu begrüßen.

Nur einige Extremisten, welchen Lagers auch immer, sowie ein paar ewig nörgelnde Kapitalismuskritiker, haben diese Völkerharmonie wieder einmal zu zerstören versucht. Letztere orakeln, dass die Anschläge von Wolgograd erneut dazu benutzt werden könnten, um die Sicherheitsstandards, die für unser gesellschaftliches Zusammenleben im allgemeinen und für Großevents wie die olympischen Winterspiele in Sotschi oder die Fußballweltmeisterschaft in Brasilien im besonderen gelten, ein weiteres Mal erhöht werden. Für unsere neue Regierung eröffnet sich durch den Terror von Wolgograd eine gute Möglichkeit, endlich die Forderungen der Brüsseler Europalenker zu erfüllen, die allumfassende Vorratsdatenspeicherung des gesamten Kommunikationsverkehrs der 550 Millionen EU-Einwohner auch in unserem Verwaltungsgebiet durchzusetzen. Hätten sich Wladimir Putin und Edward Snowden der Datenerfassung durch die anglo-amerikanischen Dienste nicht ebenso strikt widersetzt, wie der Kremlführer dies auch beim Raketenschutzschild gegen den Iran, welcher durch die NATO in den Ländern Polen, Tschechien, Rumänien, Bulgarien und Türkei errichtet wird, tut, wären diese Anschläge womöglich ebenso erfolgreich verhindert bzw. schnell aufgeklärt worden, wie jene vom Boston-Marathon. Die USA haben Putin in Bezug auf die Winterolympiade jedenfalls umfassende Hilfe angeboten.

Trotz alledem freuen wir uns mit allen Mitmenschen und Sportinteressierten auf die sportlichen Großereignisse des Jahres 2014 sowie die erleuchtenden Kommentare unserer Sportberichterstatter. Wir lassen uns das auch nicht durch vereinzelten Bemerkungen einiger Schwarzseher verleiden, die behaupten, dass diese Milliarden verschlingenden Veranstaltungen niemandem nützen, als den Eigentümern der Anlagen und der Baufirmen und dass sie nichts weiter hinterlassen als „anschließende gähnende Leere, eine versaute und vernichtete Natur, schikanierte und ihrer Lebensgrundlagen beraubte Einwohner und die Erinnerung an kriminell gedemütigte Fronarbeiter…“ (taz)